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Sondervermögen – Video 1: Prof. Dr. Carsten Kühl (Universität Speyer)

Video-Screenshot Kühl

Mit dem Rhein­land-Pfalz-Plan ste­hen den Kom­mu­nen in Rhein­land-Pfalz in den kom­men­den Jah­ren Mil­li­ar­den­be­trä­ge für Inves­ti­tio­nen in Bil­dung, Kli­ma und Infra­struk­tur zur Ver­fü­gung. Für vie­le Städ­te, Gemein­den und Land­krei­se eröff­net sich damit die Chan­ce, lan­ge geplan­te Pro­jek­te umzu­set­zen und die öffent­li­che Infra­struk­tur zukunfts­fä­hig aus­zu­bau­en. Doch reicht zusätz­li­ches Geld allein aus, um die Her­aus­for­de­run­gen der kom­men­den Jah­re zu bewältigen?

» Pro­jekt­sei­te „Son­der­ver­mö­gen für Kommunen“


In der ers­ten Fol­ge der Video-Rei­he „Son­der­ver­mö­gen für Kom­mu­nen“ spricht die Ent­wick­lungs­agen­tur Rhein­land-Pfalz mit Cars­ten Kühl, ehe­ma­li­ger Finanz­mi­nis­ter des Lan­des Rhein­land-Pfalz, ehe­ma­li­ger Direk­tor des Deut­schen Insti­tuts für Urba­nis­tik (Difu) und Hono­rar­pro­fes­sor an der Deut­schen Uni­ver­si­tät für Ver­wal­tungs­wis­sen­schaf­ten Spey­er. Er ord­net den Rhein­land-Pfalz-Plan aus finanz­po­li­ti­scher und wis­sen­schaft­li­cher Per­spek­ti­ve ein und erläu­tert, wor­auf es bei einer erfolg­rei­chen Umset­zung beson­ders ankommt.

Eine große Chance – aber kein Allheilmittel

Cars­ten Kühl bewer­tet das Son­der­ver­mö­gen als einen wich­ti­gen Schritt für die kom­mu­na­le Infra­struk­tur. Gleich­zei­tig macht er deut­lich, dass zusätz­li­che Inves­ti­ti­ons­mit­tel allein die struk­tu­rel­len Pro­ble­me vie­ler Kom­mu­nen nicht besei­ti­gen können.

„Es ist zumin­dest eine sehr gro­ße Anstren­gung und es ist damit ein wich­ti­ger und auch rich­ti­ger Schritt.“

Nach sei­ner Ein­schät­zung müs­sen dar­über hin­aus zwei grund­le­gen­de Her­aus­for­de­run­gen gelöst wer­den: Zum einen sei eine trag­fä­hi­ge Lösung der Alt­schul­den­pro­ble­ma­tik not­wen­dig, damit hoch ver­schul­de­te Kom­mu­nen wie­der finan­zi­ell hand­lungs­fä­hig wer­den. Zum ande­ren brau­che es eine dau­er­haf­te Ver­bes­se­rung der kom­mu­na­len Finanz­aus­stat­tung, ins­be­son­de­re bei den Sozi­al­aus­ga­ben und den kom­mu­na­len Einnahmen.

Geld allein schafft noch keine Investitionen

Ein wei­te­rer Schwer­punkt des Gesprächs ist die Fra­ge, war­um vor­han­de­ne Inves­ti­ti­ons­mit­tel häu­fig nicht voll­stän­dig abge­ru­fen wer­den kön­nen. Kühl ver­weist auf Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren, eine viel­fach noch unzu­rei­chen­de Digi­ta­li­sie­rung der Ver­wal­tun­gen sowie auf Eng­päs­se in der Bau­wirt­schaft und den Fach­kräf­te­man­gel. Nach sei­ner Ein­schät­zung gelingt es den Kom­mu­nen des­halb häu­fig nicht, alle vor­ge­se­he­nen Inves­ti­tio­nen tat­säch­lich umzusetzen.

Gera­de des­halb sei es wich­tig, den Rhein­land-Pfalz-Plan nicht nur als Finan­zie­rungs­pro­gramm zu ver­ste­hen, son­dern gleich­zei­tig die Vor­aus­set­zun­gen für eine effi­zi­en­te Pro­jekt­um­set­zung zu verbessern.

Investitionen müssen langfristig gedacht werden

Bei kom­mu­na­len Inves­ti­tio­nen geht es nicht nur dar­um, aktu­el­le Bedar­fe zu decken. Vie­le Maß­nah­men wir­ken über Jahr­zehn­te und müs­sen des­halb mög­lichst vor­aus­schau­end geplant wer­den. Als Bei­spiel nennt Kühl den Wan­del der Prio­ri­tä­ten beim Kli­ma­schutz und der Kli­ma­an­pas­sung. Noch wich­ti­ger sei jedoch, dass die Kom­mu­nen künf­tig dau­er­haft in der Lage sind, ihre Infra­struk­tur zu erhal­ten und regel­mä­ßig instand zu setzen.

„Fun­da­men­ta­ler erscheint mir zunächst, dass es den Kom­mu­nen in Zukunft gelingt, genü­gend Geld bereit­zu­stel­len, um Inves­ti­tio­nen, die sie ein­mal getä­tigt haben, auch dau­er­haft zu pflegen.“

Denn vie­le heu­ti­ge Pro­ble­me – etwa sanie­rungs­be­dürf­ti­ge Schul­ge­bäu­de oder Brü­cken – sei­en nicht zuletzt dar­auf zurück­zu­füh­ren, dass not­wen­di­ge Instand­hal­tungs­maß­nah­men über Jah­re nicht aus­rei­chend finan­ziert wer­den konnten.

Gute Beispiele aus anderen Kommunen

Aus sei­ner lang­jäh­ri­gen Tätig­keit beim Deut­schen Insti­tut für Urba­nis­tik kennt Cars­ten Kühl zahl­rei­che erfolg­rei­che kom­mu­na­le Pro­jek­te. Dabei betont er, dass es kei­ne Patent­lö­sung für alle Kom­mu­nen gibt. Jede Stadt und jeder Land­kreis müs­se eige­ne Ant­wor­ten auf die jewei­li­gen Her­aus­for­de­run­gen finden.

Den­noch nennt er Bei­spie­le, von denen ande­re Kom­mu­nen ler­nen kön­nen – etwa das Mobi­li­täts­kon­zept der Stadt Frei­burg, die stra­te­gi­sche Boden­be­vor­ra­tung der Stadt Ulm oder die kon­se­quen­te Ent­wick­lung Ber­lins zu einer kli­ma­re­si­li­en­ten „Schwamm­stadt“. Ent­schei­dend sei, erfolg­rei­che Ansät­ze auf die eige­nen ört­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen zu übertragen.

Die nächsten Folgen der Video-Reihe

In den kom­men­den Wochen erschei­nen wei­te­re Gesprä­che mit Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern der kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de sowie mit Land­rä­tin­nen und Land­rä­ten aus Rhein­land-Pfalz. Sie berich­ten über ihre Erfah­run­gen bei der Erar­bei­tung regio­na­ler Umset­zungs­kon­zep­te und zei­gen auf, wel­che Vor­aus­set­zun­gen für eine erfolg­rei­che Nut­zung der Regio­nal­bud­gets vor Ort geschaf­fen werden.

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Veröffentlicht unter News, Sondervermögen für Kommunen

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