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Demografischer Wandel ab 2030: Was nach den Babyboomern kommt

Cover Broschüre

Der Ren­ten­ein­tritt der Baby­boo­mer steht seit Jah­ren im Mit­tel­punkt der Dis­kus­si­on über den demo­gra­fi­schen Wan­del. Doch damit ist die Ent­wick­lung längst nicht abge­schlos­sen. Eine neue Ana­ly­se des Ber­lin-Insti­tuts für Bevöl­ke­rung und Ent­wick­lung im Auf­trag der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung rich­tet den Blick des­halb bewusst über das Jahr 2030 hin­aus. Sie unter­sucht, wie die gebur­ten­star­ken Jahr­gän­ge die Alters­struk­tur Deutsch­lands bis 2060 ver­än­dern – und wel­che erheb­li­chen regio­na­len Unter­schie­de dabei entstehen.

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(Illus­tra­ti­on: Berlin-Institut)

Die Stu­die „Nach den Baby­boo­mern. Wie sich der demo­gra­fi­sche Wan­del über 2030 hin­aus ent­wi­ckelt“ basiert auf aktu­el­len Bevöl­ke­rungs­vor­aus­be­rech­nun­gen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes und des Bun­des­in­sti­tuts für Bau‑, Stadt- und Raum­for­schung (BBSR). Für die kom­mu­na­le Ebe­ne ist sie beson­ders inter­es­sant, weil die Ent­wick­lung auch auf Ebe­ne der Land­krei­se und kreis­frei­en Städ­te betrach­tet wird.

Zwei demografische Wellen

Die Ana­ly­se macht deut­lich, dass sich die Alte­rung nicht gleich­mä­ßig voll­zieht. Zunächst wächst mit dem Ren­ten­ein­tritt der Baby­boo­mer die Grup­pe der 67- bis 79-Jäh­ri­gen deut­lich. Bis 2039 wer­den mehr als 13 Mil­lio­nen Men­schen das gesetz­li­che Ren­ten­ein­tritts­al­ter von 67 Jah­ren erreichen.

Ab Mit­te der 2030er-Jah­re folgt eine zwei­te Ent­wick­lung: Die Baby­boo­mer errei­chen zuneh­mend das hohe Alter. Damit steigt die Zahl der Men­schen ab 80 Jah­ren in nahe­zu allen Regio­nen wie­der deut­lich an. Rund um das Jahr 2050 dürf­te die Zahl der Hoch­alt­ri­gen ihren Höhe­punkt errei­chen und anschlie­ßend wie­der zurückgehen.

Ent­schei­dend ist dabei: Der demo­gra­fi­sche Wan­del ver­läuft regio­nal sehr unter­schied­lich. Wirt­schafts­star­ke Städ­te und ihr Umland, länd­li­che Räu­me und struk­tur­schwä­che­re Regio­nen ste­hen nicht zur glei­chen Zeit vor den­sel­ben Her­aus­for­de­run­gen. Die Ana­ly­se zeigt außer­dem erheb­li­che Unter­schie­de inner­halb der ein­zel­nen Bundesländer.

Ländliche Regionen im Westen vor deutlichen Veränderungen

Beson­ders inter­es­sant für Rhein­land-Pfalz ist der Blick auf die west­deut­schen länd­li­chen Räu­me. Vie­le von ihnen ste­hen erst noch vor Ent­wick­lun­gen, die Tei­le Ost­deutsch­lands bereits durch­lau­fen haben.

Um 2035 dürf­te die Zahl der 67- bis 79-Jäh­ri­gen in den länd­li­chen Räu­men West­deutsch­lands knapp 35 Pro­zent über dem Niveau von 2022 lie­gen. Auch bei den Hoch­alt­ri­gen zeich­net sich eine deut­li­che Ver­än­de­rung ab: Ab Mit­te der 2030er-Jah­re nimmt ihre Zahl im länd­li­chen Wes­ten beson­ders stark zu.

Wie unter­schied­lich die Ent­wick­lung vor Ort aus­fal­len kann, zeigt ein Bei­spiel aus Rhein­land-Pfalz. Für den Land­kreis Alzey-Worms geht die zugrun­de lie­gen­de BBSR-Vor­aus­be­rech­nung davon aus, dass dort 2045 rund 51,5 Pro­zent mehr Men­schen im Alter ab 80 Jah­ren leben könn­ten als 2022.

Was bedeutet das für die Kommunen?

Die Stu­die rich­tet dar­aus einen kla­ren Appell an Kom­mu­nen und Regio­nen: Die abseh­ba­ren Ver­än­de­run­gen soll­ten bereits heu­te in lang­fris­ti­ge Pla­nun­gen ein­be­zo­gen wer­den. Dabei geht es nicht allein um Pflege.

Zunächst eröff­net die wach­sen­de Grup­pe der „akti­ven Älte­ren“ auch Chan­cen. Vie­le Men­schen, die in den kom­men­den Jah­ren in den Ruhe­stand gehen, ver­fü­gen über Wis­sen, Erfah­rung und zeit­li­che Res­sour­cen. Kom­mu­nen kön­nen die­ses Poten­zi­al für ehren­amt­li­ches und zivil­ge­sell­schaft­li­ches Enga­ge­ment nut­zen. Emp­foh­len wer­den unter ande­rem nied­rig­schwel­li­ge Anlauf­stel­len in den Ver­wal­tun­gen, Enga­ge­ment-Netz­wer­ke und eine geziel­te Anspra­che mög­lichst schon vor dem Renteneintritt.

Gleich­zei­tig gilt es, die zwei­te demo­gra­fi­sche Wel­le vor­zu­be­rei­ten. Die gegen­wär­tig in vie­len Regio­nen noch sin­ken­de Zahl der Hoch­alt­ri­gen darf nach Ein­schät­zung der Autoren nicht als dau­er­haf­te Trend­wen­de miss­ver­stan­den wer­den. Ab Mit­te der 2030er-Jah­re wach­sen die Bedar­fe wie­der. Die Stu­die nennt des­halb ins­be­son­de­re den Aus­bau von Pfle­ge­ka­pa­zi­tä­ten, alters­ge­rech­tem Wohn­raum und bedarfs­ge­rech­ten Ver­sor­gungs­struk­tu­ren vor Ort als Handlungsfelder.

Damit wird der demo­gra­fi­sche Wan­del zu einer lang­fris­ti­gen Auf­ga­be der kom­mu­na­len Daseins­vor­sor­ge. Wel­che Ange­bo­te künf­tig benö­tigt wer­den, lässt sich jedoch nicht allein aus bun­des­wei­ten Durch­schnitts­wer­ten ablei­ten. Ent­schei­dend ist die kon­kre­te Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung vor Ort. 

Weiterführende Informationen:

Pres­se­mit­tei­lung „Demo­gra­fi­scher Wan­del endet nicht 2030“ beim Infor­ma­ti­ons­dienst Wissenschaft

Down­load: „Nach den Baby­boo­mern“ (PDF, 24 Sei­ten 4,6 MB)

Veröffentlicht unter News

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