Wittlich (Eifel) – Klassische Stellenanzeigen erreichen junge Menschen oft nicht mehr. Die Verbandsgemeinde Wittlich-Land setzt deshalb auf den Azubi-Blog „W‑LAB“. In über 25 Beiträgen berichten Nachwuchskräfte hier eigenverantwortlich über ihren Alltag zwischen Studium in Mayen und Praxis im Bauamt. Das Projekt gibt ehrliche Einblicke in die Verwaltungswelt und senkt so die Hemmschwelle für potenzielle Bewerber. Mit minimalem technischem Aufwand stärkt die Kommune so ihre Arbeitgebermarke und bindet Talente frühzeitig ein.

Von Azubis für Azubis – Nachwuchsförderung modern gedacht
Der Fachkräftemangel stellt auch die öffentliche Verwaltung vor enorme Herausforderungen. Klassische Stellenanzeigen reichen heute oft nicht mehr aus, um junge Menschen für eine Ausbildung oder ein duales Studium zu begeistern. Die Verbandsgemeinde Wittlich-Land hat dies erkannt und den Azubi-Blog „W‑LAB“ ins Leben gerufen. Statt abstrakter Beschreibungen der Verwaltungslaufbahn erzählen hier die Auszubildenden selbst, was sie hautnah erleben.
Ein Blog – die Kurzform von Web-Log – fungiert wie ein öffentliches, digitales Tagebuch. Die Beiträge erscheinen in chronologischer Reihenfolge, wobei der aktuellste Text stets oben steht. Dieses Format ermöglicht eine persönliche und authentische Berichterstattung, vergleichbar einem Tagebuch. Es bietet Raum für Fotos, Erlebnisse und direkte Einblicke.
Technisch setzt die Kommune auf Einfachheit. Der Blog „W‑LAB“ ist kein eigenständiges System, sondern direkt in die bestehende Webseite der Verbandsgemeinde integriert. Diese Lösung spart Kosten und hält den Pflegeaufwand gering. In mittlerweile 25 Beiträgen dokumentieren die Nachwuchskräfte ihren Weg – von den ersten Tagen in der Verwaltung bis hin zu den Studienphasen an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Mayen.
Dabei geht es um mehr als nur Information. Der Blog dient als strategisches Instrument für das Personalmarketing. Er zeigt die Vielseitigkeit der Aufgaben in Bereichen wie dem Bauamt oder den Finanzen. Durch die digitale Veröffentlichung der Berichte schafft die Gemeinde Transparenz und positioniert sich als moderner Arbeitgeber, der dem Fachkräftemangel aktiv begegnet.
Beschreibung des Projektes
Die Verbandsgemeinde Wittlich-Land bildet kontinuierlich junge Menschen aus, um dem Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst aktiv entgegenzuwirken. Um künftigen Bewerbern zu zeigen, was sie erwartet, wurde der Azubi-Blog auf der Website eingerichtet. Unter dem Hashtag #teamwittlichland teilen die Anwärter ihre persönlichen Erlebnisse als digitales Tagebuch. Die Idee: Einen realen Einblick in den Arbeitsalltag und das Studium geben.
Die Beiträge im Blog sind so vielfältig wie die Ausbildung selbst. Die Autoren – die Azubis der verschiedenen Jahrgänge – schreiben über ganz unterschiedliche Themenfelder. Das Spektrum reicht von der nervenaufreibenden Prüfungsphase an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Mayen über den Wechsel zwischen Theorie und Praxis bis zur Einarbeitung in komplexe Fachbereiche wie das Bauamt oder die Finanzabteilung. Auch besondere Projekte finden im Blog Platz. So berichten die Auszubildenden von ihrer Teilnahme an den „Digiscouts“, bei der sie nach Digitalisierungspotenzialen in der Verwaltung suchten. Durch diesen Themenmix zeichnet das Format ein lebendiges Bild. Der Blog macht deutlich, dass die Ausbildung in einer modernen Kommunalverwaltung vielseitige Perspektiven bietet.
Wie funktioniert es?
Der Azubi-Blog ist direkt in die Webseite der Verbandsgemeinde Wittlich-Land im Bereich „Ausbildung“ eingebunden. Sobald Neuigkeiten wie bestandene Prüfungen oder Abteilungswechsel anstehen, verfassen die Nachwuchskräfte eigenständig neue Beiträge. Diese erscheinen chronologisch als sogenannte „Volumes“ und dokumentieren so den gesamten Verlauf der Ausbildung.
Die inhaltliche Verantwortung und Redaktion liegen primär bei den Auszubildenden. Sie stimmen sich intern ab, wer das nächste Thema übernimmt, texten die Inhalte und erstellen dazu passende Fotos. Dabei reflektieren sie gleichzeitig ihre eigenen Lernfortschritte. Bevor ein Beitrag online geht, wird dieser mit den Ausbildungsverantwortlichen der Verwaltung abgestimmt, um datenschutzrechtliche Vorgaben im öffentlichen Dienst zu wahren.
Das Format ist als offener Blog gestaltet, der für jeden Interessierten – insbesondere Schulabgänger – frei zugänglich ist. Durch eine lockere Ansprache ohne Behördendeutsch werden die Inhalte authentisch vermittelt. Die Leser erhalten praxisnahe Einblicke, etwa wie man eine Zwischenprüfung in Mayen übersteht oder was einen in der Abteilung „Bürgerdienste“ erwartet. Mit jedem neuen Ausbildungsjahrgang wächst die Redaktion eigenständig weiter und bringt frische Sichtweisen in das Projekt ein. So bleibt das Format aktuell und nah an der Lebenswelt junger Talente.

Der Azubi-Blog „W‑Lab“ ist in die Webseite der Verbandgemeinde integriert. In 25 Kapiteln, so genannten Volumes, berichten die Auszubildenden der Verbandsgemeindeverwaltung Wittlich-Land über ihren Alltag.
Was hat sich durch das Projekt geändert?
Die Einführung des Azubi-Blogs hat das Image der Verbandsgemeinde Wittlich-Land nachhaltig verändert. Die Verwaltung präsentiert sich heute als transparenter und moderner Arbeitgeber. Durch die ehrlichen Berichte sinkt die Hemmschwelle für junge Menschen, sich im Rathaus zu bewerben. Potenzielle Kandidaten erhalten bereits im Vorfeld ein Bild von ihrem künftigen Arbeitsplatz und den Aufgaben in den verschiedenen Fachbereichen.
Das Projekt fördert zudem die Eigenverantwortung der Nachwuchskräfte. Die Azubis steuern die Redaktion selbstständig und stärken so ihr Organisationstalent sowie ihre schriftliche Ausdrucksweise. Der Blog dient als Plattform, auf der sie ihre Lernfortschritte reflektieren und den Umgang mit digitalen Medien in einem professionellen Rahmen üben. Sie tragen damit aktiv zur Gestaltung der eigenen Arbeitgebermarke bei.
Innerhalb der Verwaltung hat sich die Vernetzung spürbar verbessert. Das „#teamwittlichland“ verbindet Anwärter aus unterschiedlichen Lehrjahren und Abteilungen. Auch die Sichtbarkeit der Ausbildung im gesamten Haus ist gestiegen. bekommen einen direkten Einblick, was „ihre“ Azubis in den anderen Abteilungen oder an der Fachhochschule eigentlich lernen. Das fördert die Wertschätzung für die Ausbildung im gesamten Haus.
Ein weiterer Vorteil liegt im Bereich des Wissensmanagements. Der Blog fungiert als informelles Archiv für künftige Jahrgänge. Neue Auszubildende können nachlesen, wie ihre Vorgänger Herausforderungen gemeistert haben. Diese Dokumentation nimmt Unsicherheiten und bietet eine wertvolle Orientierungshilfe für den Berufsstart.
Insgesamt hat das Projekt die Identifikation der jungen Talente mit ihrer Verbandsgemeinde gestärkt.
So wurde es gemacht
Ziel
Das Projekt verfolgt das Ziel, die Ausbildung in der Kommunalverwaltung transparenter und für junge Menschen greifbarer zu gestalten. Der Blog dient als authentisches Instrument für die Personalgewinnung. Er vermittelt potenziellen Bewerbern die vielseitigen Aufgabenbereiche und Karrieremöglichkeiten innerhalb der Verbandsgemeinde. Zudem soll das Format Hemmschwellen abbauen und einen realistischen Einblick in den Arbeitsalltag sowie das Studium an der Hochschule geben.
Vorgehen
Die Verwaltung hat den Auszubildenden eine eigene Plattform auf der offiziellen Homepage eingeräumt. Jeder neue Jahrgang wird von Beginn an in die Redaktion des Blogs („W‑LAB“) integriert. Die Anwärterinnen und Anwärter dokumentieren die Stationen ihrer Ausbildung in Form kurzer Erlebnisberichte, die als chronologische Ausgaben veröffentlicht werden. Der Prozess sieht eine kontinuierliche Übergabe der redaktionellen Verantwortung an die jeweils nachfolgenden Jahrgänge vor, um die Kontinuität des Blogs sicherzustellen.
Aufwand
Der finanzielle Aufwand für das Projekt ist gering. Die Verbandsgemeinde integrierte das Blog-Format direkt in die bestehende Website-Infrastruktur, sodass keine Kosten für zusätzliche Software oder externe Plattformen anfielen. Der personelle Aufwand liegt primär bei den Auszubildenden selbst. Sie verfassen die Texte und erstellen das Bildmaterial eigenverantwortlich während ihrer regulären Ausbildungszeit. Für die Ausbildungsverantwortlichen entsteht ein geringer zeitlicher Zusatzaufwand durch die abschließende Prüfung der Beiträge auf Datenschutz und Verschwiegenheitspflicht vor der Veröffentlichung.
Verantwortliche
Die Erstellung der Inhalte liegt federführend in den Händen der Auszubildenden der Verbandsgemeinde. Sie übernehmen die Themenfindung, verfassen die Artikel und erstellen das Bildmaterial. Das Team organisiert die redaktionellen Abläufe dabei intern selbstständig. Die Mitarbeitenden im Bereich Personal und Ausbildung unterstützen den Nachwuchs beratend und koordinieren das Projekt. Zudem übernehmen sie die finale Freigabe der Beiträge. So stellen sie sicher, dass alle gesetzlichen Vorgaben, insbesondere zum Datenschutz und zur Verschwiegenheitspflicht, eingehalten werden.
Erfolgsfaktoren
Ein entscheidender Faktor ist die Kommunikation auf Augenhöhe. Da die Beiträge direkt von der Zielgruppe für die Zielgruppe stammen, genießt der Blog eine hohe Glaubwürdigkeit. Die bewusst gewählte, niedrigschwellige Sprache verzichtet auf kompliziertes Behördendeutsch und macht die Inhalte für Schulabgänger leicht zugänglich.
Zudem sichert das generationenübergreifende Konzept die Kontinuität des Projekts. Die fließende Übergabe der redaktionellen Verantwortung an den jeweils nächsten Ausbildungsjahrgang hält das Format dauerhaft lebendig. Ein weiterer Pluspunkt ist die hohe Eigenverantwortung der Nachwuchskräfte. Dieser Vertrauensvorschuss seitens der Verwaltung stärkt die Identifikation der Azubis mit ihrem Arbeitgeber und fördert gleichzeitig wichtige digitale Kompetenzen.
Stolpersteine
Eine zentrale Herausforderung ist die Kontinuität der Berichterstattung während intensiver Lernphasen. Besonders während der Hauptlehrgänge oder Prüfungszeiten an der Hochschule in Mayen bleibt oft wenig Zeit für die Redaktionsarbeit. Hier braucht es eine vorausschauende Planung und enge Abstimmung innerhalb der Azubi-Gruppe.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Einhaltung von Datenschutz und Verschwiegenheitspflicht. Berichte aus sensiblen Fachbereichen dürfen keine vertraulichen Informationen enthalten. Um dieses Risiko zu minimieren, hat die Verwaltung einen festen Korrekturprozess etabliert. Jeder Artikel durchläuft vor der Veröffentlichung eine Prüfung durch die Ausbildungsverantwortlichen. Dieser Zwischenschritt sorgt für die notwendige rechtliche Sicherheit und schützt sowohl die Auszubildenden als auch die Verwaltung vor Fehlern.
Ansprechpartner
Sollten Sie Fragen zum Projekt oder zur Ausbildung haben, können Sie sich an folgende Ansprechpartnerin wenden:
Verbandsgemeinde Wittlich-Land
Carina Alt-Linden
Telefon: 06571 / 107 – 132
E‑Mail: carina.alt-linden@vg-wittlich-land.de
Für die Redaktion des Digital-Newsletters ist die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz e. V. verantwortlich.
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