Mit den Regionalen Umsetzungskonzepten entscheiden die Landkreise gemeinsam mit ihren Städten und Verbandsgemeinden darüber, welche Investitionen aus den Regionalbudgets in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen. Wie gelingt es dabei, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen? Welche Projekte haben Vorrang? Und welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit die Investitionen möglichst schnell bei den Menschen ankommen?
In der vierten Folge der Video-Reihe „Sondervermögen für Kommunen“ spricht die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz mit Volker Boch, Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises. Er berichtet, wie sein Landkreis den Erarbeitungsprozess organisiert hat und welche strategischen Überlegungen hinter dem Regionalen Umsetzungskonzept stehen.
Frühzeitige Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Bereits im Herbst 2025 begann der Rhein-Hunsrück-Kreis mit den Vorbereitungen. Noch bevor die gesetzlichen Vorgaben vollständig vorlagen, wurden regelmäßige Abstimmungsrunden mit allen Verbandsgemeinden und der Stadt Boppard eingerichtet. Die Kommunen konnten ihre Prioritäten einbringen, die Kreisverwaltung bündelte die Vorschläge und entwickelte daraus gemeinsam mit den Beteiligten das Regionale Umsetzungskonzept.
„Entscheidend ist, dass wir früh gemeinsam Prioritäten festlegen“
Der gesamte Prozess erstreckte sich über rund drei Viertel eines Jahres und mündete schließlich in einem einstimmig beschlossenen Konzept. Für Volker Boch war dabei vor allem eines entscheidend: Dass alle Beteiligten das gemeinsame Ziel im Blick behielten.
Bewusst Spielraum für künftige Projekte lassen
Obwohl zahlreiche Projektideen bereits vorliegen, hat sich der Rhein-Hunsrück-Kreis bewusst dagegen entschieden, sämtliche Mittel von Beginn an vollständig einzelnen Maßnahmen zuzuordnen. Stattdessen wurden Schwerpunkte definiert und gleichzeitig finanzielle Spielräume für neue Entwicklungen offengehalten.
Im Mittelpunkt stehen zunächst dringend notwendige Investitionen in die Sportinfrastruktur. Mehrere Sporthallen und Sportanlagen müssen umfassend saniert oder neu errichtet werden. Gleichzeitig verweist Boch darauf, dass große Bauprojekte häufig von langen Planungs- und Genehmigungszeiten abhängen. Deshalb sei es sinnvoll, die notwendige Flexibilität über die gesamte Laufzeit des Förderprogramms zu erhalten.
Zukunftsthemen gemeinsam entwickeln
Neben klassischen Infrastrukturmaßnahmen setzt der Rhein-Hunsrück-Kreis auch auf Zukunftsprojekte. Dazu gehört unter anderem die gemeinsame Energiegesellschaft aller Verbandsgemeinden und der Stadt Boppard. Ziel ist es, die regional erzeugte Energie stärker in der Region zu nutzen und neue Wertschöpfung vor Ort zu schaffen.
Darüber hinaus möchte der Landkreis die wirtschaftliche Entwicklung stärken und langfristig eine engere Kooperation mit Hochschulen aufbauen. Für solche übergeordneten Vorhaben wurden zehn Millionen Euro des Kreisbudgets bewusst zurückgestellt, um auch künftig auf neue Chancen reagieren zu können.
Planungsbeschleunigung wird zum Erfolgsfaktor
Für Volker Boch entscheidet sich der Erfolg des Sondervermögens nicht allein an der Höhe der Fördermittel. Mindestens ebenso wichtig sei, ob Planungs‑, Genehmigungs- und Vergabeverfahren künftig schneller ablaufen als bisher.
„Das wird jedem begegnen, der hier investieren will. Weil natürlich mit den langen Planungsabläufen die Projekte immer teurer werden.“
Nach seiner Einschätzung bietet das Sondervermögen zugleich die Chance, bestehende Verfahren kritisch zu hinterfragen und dort zu vereinfachen, wo unnötige Verzögerungen entstehen. Gerade bei dringend benötigten Infrastrukturprojekten könne dies einen erheblichen Unterschied machen.
Sichtbare Ergebnisse schaffen Vertrauen
Am Ende sollen die Bürgerinnen und Bürger die Wirkung des Rheinland-Pfalz-Plans unmittelbar erleben können. Für Volker Boch wäre es ein großer Erfolg, wenn bereits in wenigen Jahren wichtige Bauprojekte sichtbar umgesetzt werden – etwa moderne Sporthallen, sanierte öffentliche Gebäude oder neue Infrastruktur für Energie und Wirtschaft.
Sein Fazit: Gute Zusammenarbeit, klare Prioritäten und ausreichend Flexibilität bilden die Grundlage dafür, dass aus den Regionalbudgets nachhaltige Investitionen entstehen, die den Landkreis langfristig stärken.
Die nächste Folge der Video-Reihe
In der nächsten Folge berichtet Julia Gieseking, Landrätin des Landkreises Vulkaneifel, wie ihr Landkreis das Regionale Umsetzungskonzept entwickelt hat, welche Investitionsschwerpunkte gesetzt wurden und welche Bedeutung die enge Zusammenarbeit zwischen Kreis und Kommunen für den langfristigen Erfolg des Rheinland-Pfalz-Plans hat.
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