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Digitale Daseinsvorsorge: Vernetzen statt neue Insellösungen schaffen

Illustration: Stiftung Mercator

Digi­ta­le Ange­bo­te für Bür­ge­rin­nen und Bür­ger gibt es inzwi­schen in gro­ßer Zahl. Doch häu­fig ste­hen sie unver­bun­den neben­ein­an­der, sind schwer auf­find­bar oder erfor­dern immer wie­der neue Anmel­dun­gen, Daten­ein­ga­ben und Such­we­ge. Eine Vor­lauf­stu­die im Auf­trag der Stif­tung Mer­ca­tor schlägt des­halb einen grund­sätz­lich ande­ren Ansatz vor: Statt wei­te­re ein­zel­ne Apps und Por­ta­le zu ent­wi­ckeln, soll eine gemein­sa­me tech­ni­sche Infra­struk­tur Ange­bo­te der Daseins­vor­sor­ge mit­ein­an­der verknüpfen.

Illustration: Stiftung Mercator
Illus­tra­ti­on: Stif­tung Mercator

Die Stu­die trägt den Titel „DIDA: Digi­ta­le Daseins­vor­sor­ge – APIs statt Apps, Pro­to­kol­le statt Platt­for­men“. Aus­gangs­punkt ist die Beob­ach­tung, dass das zen­tra­le Pro­blem weni­ger im Feh­len digi­ta­ler Ange­bo­te liegt als in man­geln­der Inter­ope­ra­bi­li­tät, Auf­find­bar­keit und ver­bin­den­der Infra­struk­tur. Vie­le Ange­bo­te von Staat, Zivil­ge­sell­schaft, Sozi­al­wirt­schaft und Unter­neh­men exis­tie­ren bereits – sie sind jedoch tech­nisch häu­fig nicht mit­ein­an­der verbunden.

Eine digitale Infrastruktur statt des nächsten Portals

DIDA soll des­halb aus­drück­lich kei­ne wei­te­re zen­tra­le Platt­form wer­den. Vor­ge­schla­gen wird viel­mehr ein dezen­tra­les Netz­werk, das bestehen­de Ange­bo­te über stan­dar­di­sier­te Schnitt­stel­len, gemein­sa­me Daten­mo­del­le und ver­bind­li­che Regeln für Inter­ope­ra­bi­li­tät mit­ein­an­der ver­bin­det. Die Stu­die ver­gleicht die­se Infra­struk­tur mit „Stra­ßen und Schie­nen“ zwi­schen bis­lang von­ein­an­der getrenn­ten Orten.

Damit ver­bin­det sich ein Per­spek­tiv­wech­sel: Digi­ta­le Daseins­vor­sor­ge soll stär­ker von den Lebens­la­gen der Men­schen und weni­ger von ein­zel­nen Ver­wal­tungs­zu­stän­dig­kei­ten aus gedacht wer­den. Wer bei­spiels­wei­se eine Fami­lie grün­det, Pfle­ge orga­ni­siert oder ande­re Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te benö­tigt, soll nicht selbst her­aus­fin­den müs­sen, wel­che Behör­de, Orga­ni­sa­ti­on oder Platt­form jeweils zustän­dig ist. Unter­schied­li­che Ange­bo­te könn­ten viel­mehr zu zusam­men­hän­gen­den Ser­vice­ket­ten ver­bun­den werden.

Was bedeutet der Ansatz für Kommunen?

Kom­mu­nen wer­den in der Stu­die aus­drück­lich als eine der Ziel­grup­pen auf Sei­ten der öffent­li­chen Hand genannt. Für sie ist der Ansatz auch des­halb inter­es­sant, weil Daseins­vor­sor­ge vor Ort längst nicht allein von Ver­wal­tun­gen erbracht wird. Ver­ei­ne, Wohl­fahrts­or­ga­ni­sa­tio­nen, Sozi­al­un­ter­neh­men, regio­na­le Unter­neh­men und ande­re Akteu­re tra­gen eben­falls dazu bei. Eine gemein­sa­me digi­ta­le Infra­struk­tur könn­te hel­fen, sol­che Ange­bo­te bes­ser auf­find­bar und mit­ein­an­der anschluss­fä­hig zu machen.

Gleich­zei­tig stellt sich damit eine grund­sätz­li­che Fra­ge für die kom­mu­na­le Digi­ta­li­sie­rung: Müs­sen für neue Auf­ga­ben immer wie­der eige­ne Por­ta­le und Anwen­dun­gen ent­ste­hen – oder soll­ten öffent­li­che Mit­tel stär­ker in tech­ni­sche Grund­la­gen inves­tiert wer­den, die von vie­len Akteu­ren gemein­sam genutzt wer­den können?

Die Stu­die argu­men­tiert für den zwei­ten Weg. Offe­ne Schnitt­stel­len und Stan­dards könn­ten Dop­pel­ent­wick­lun­gen redu­zie­ren, die Ein­bin­dung neu­er Ange­bo­te erleich­tern und Abhän­gig­kei­ten von ein­zel­nen Platt­for­men ver­rin­gern. Aus Sicht der öffent­li­chen Hand könn­ten Inves­ti­tio­nen damit stär­ker in wie­der­ver­wend­ba­re Infra­struk­tur­bau­stei­ne statt in par­al­le­le Ein­zel­lö­sun­gen fließen.

Auch die regio­na­le Ebe­ne könn­te pro­fi­tie­ren: Nach Ein­schät­zung der Stu­die kön­nen offe­ne Sys­te­me die Chan­cen regio­na­ler Anbie­ter ver­bes­sern, Mar­ke­ting­kos­ten ver­rin­gern und ihre Abhän­gig­keit von gro­ßen kom­mer­zi­el­len Platt­for­men redu­zie­ren. Gleich­zei­tig könn­ten gemein­sa­me tech­ni­sche Stan­dards neue Mög­lich­kei­ten für Gov­Tech- und Civic­Tech-Ange­bo­te schaffen.

Noch kein fertiges Konzept – aber ein Denkanstoß

DIDA ist bis­lang kein fer­ti­ges Umset­zungs­kon­zept. Die Vor­lauf­stu­die unter­sucht zunächst die Rele­vanz und grund­sätz­li­che Gestalt­bar­keit eines sol­chen dezen­tra­len Netz­werks. Kon­kre­te tech­no­lo­gi­sche Fest­le­gun­gen oder ein detail­lier­ter Busi­ness­plan sind aus­drück­lich noch nicht Bestand­teil der Unter­su­chung. Gera­de des­halb lie­fert die Ver­öf­fent­li­chung einen inter­es­san­ten Impuls für die Dis­kus­si­on über die Zukunft der kom­mu­na­len Digi­ta­li­sie­rung: Wie lässt sich digi­ta­le Daseins­vor­sor­ge so orga­ni­sie­ren, dass vor­han­de­ne Ange­bo­te bes­ser zusam­men­spie­len – anstatt immer neue digi­ta­le Insel­lö­sun­gen zu schaffen?

Down­load: DIDA – Digi­ta­le Daseins­vor­sor­ge (PDF, 51 Sei­ten, 19 MB)

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