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Rechtsextreme Immobiliennutzung: Wie Kommunen frühzeitig handeln können

Cover der Broschüre Belagerungszustände

Gast­stät­ten, Ver­an­stal­tungs­räu­me oder leer­ste­hen­de Gebäu­de kön­nen zu wich­ti­gen Stütz­punk­ten rechts­extre­mer Grup­pie­run­gen wer­den. Mit sol­chen Immo­bi­li­en ver­su­chen sie, sich dau­er­haft vor Ort zu eta­blie­ren und Ein­fluss auf das gesell­schaft­li­che Leben zu gewin­nen. Eine neue Bro­schü­re der Hein­rich-Böll-Stif­tun­gen Rhein­land-Pfalz und Thü­rin­gen zeigt, wel­che Stra­te­gien dahin­ter­ste­hen und wie Kom­mu­nal­ver­wal­tun­gen, Kom­mu­nal­po­li­tik und Zivil­ge­sell­schaft dar­auf reagie­ren können.

Cover der Broschüre Belagerungszustände
Illus­tra­ti­on: Heinrich-Böll-Stiftung

Immobilien als Ausgangspunkt rechtsextremer Einflussnahme

Rechts­extre­me Grup­pie­run­gen nut­zen Immo­bi­li­en nicht nur für inter­ne Tref­fen, Schu­lun­gen oder Ver­an­stal­tun­gen. Sie die­nen auch dazu, Netz­wer­ke auf­zu­bau­en, neue Anhän­ger zu gewin­nen und gesell­schaft­li­che Akzep­tanz zu schaf­fen. Beson­ders pro­ble­ma­tisch wird dies, wenn sol­che Ein­rich­tun­gen zuneh­mend das öffent­li­che Leben in einer Gemein­de oder einem Stadt­teil prägen.

Die 2026 ver­öf­fent­lich­te Bro­schü­re „Bela­ge­rungs­zu­stän­de – Über extrem rech­te Immo­bi­li­en“ beschreibt, wie rechts­extre­me Akteu­re ver­su­chen, durch den Erwerb oder die Nut­zung von Gebäu­den lang­fris­tig Ein­fluss auf ihr Umfeld auszuüben.

Dabei wer­den unter­schied­li­che Stra­te­gien ver­folgt: Einer­seits kön­nen Ein­schüch­te­rung, Bedro­hun­gen und die demons­tra­ti­ve Beset­zung öffent­li­cher Räu­me dazu die­nen, Men­schen aus­zu­gren­zen. Ande­rer­seits ver­su­chen rechts­extre­me Grup­pie­run­gen, sich durch ver­meint­lich unpo­li­ti­sche Ange­bo­te, Ver­eins­ar­beit oder die Über­nah­me sozia­ler Treff­punk­te in der ört­li­chen Gemein­schaft zu verankern.

Gera­de in länd­li­chen Regio­nen, in denen Gast­stät­ten schlie­ßen oder Begeg­nungs­or­te feh­len, kön­nen sol­che Ange­bo­te auf Reso­nanz stoßen.

Auch Rheinland-Pfalz ist betroffen

Die Bro­schü­re nennt kon­kre­te Bei­spie­le aus Rhein­land-Pfalz. Dazu gehört die soge­nann­te „Fass­fa­brik“ in Hach­en­burg, die ab 2019 als Treff­punkt unter­schied­li­cher rechts­extre­mer Grup­pie­run­gen genutzt wur­de. Ende 2024 wur­de die Immo­bi­lie aufgegeben.

Ein wei­te­res Bei­spiel ist das ehe­ma­li­ge „Zen­trum Rhein­hes­sen“ in Mainz, das zwi­schen 2022 und Früh­jahr 2024 unter ande­rem Büros von AfD-Abge­ord­ne­ten beher­berg­te und für Ver­an­stal­tun­gen genutzt wurde.

Nach Dar­stel­lung der Her­aus­ge­ber ver­fol­gen rechts­extre­me Akteu­re zuneh­mend das Ziel, sol­che loka­len Zen­tren sys­te­ma­tisch auf­zu­bau­en. Die Bro­schü­re ver­weist dazu auch auf ein Stra­te­gie­pa­pier der rhein­land-pfäl­zi­schen AfD vom März 2026.

Die Bei­spie­le ver­deut­li­chen, dass es sich nicht allein um ein Pro­blem ein­zel­ner Regio­nen han­delt. Auch Kom­mu­nen in Rhein­land-Pfalz kön­nen mit ent­spre­chen­den Ent­wick­lun­gen kon­fron­tiert werden.

Welche Handlungsmöglichkeiten haben Kommunen?

Ein Schwer­punkt der Ver­öf­fent­li­chung liegt auf den Mög­lich­kei­ten kom­mu­na­ler Ver­wal­tun­gen und poli­ti­scher Entscheidungsträger.

Die Bro­schü­re emp­fiehlt ins­be­son­de­re, früh­zei­tig tätig zu wer­den, sobald Hin­wei­se auf eine geplan­te rechts­extre­me Nut­zung von Immo­bi­li­en vor­lie­gen. Zu den beschrie­be­nen Hand­lungs­an­sät­zen gehören:

  • Leer­ste­hen­de Immo­bi­li­en im Blick behal­ten: Beson­ders Gebäu­de, die sich für Ver­an­stal­tun­gen, Gas­tro­no­mie oder ande­re gemein­schaft­li­che Nut­zun­gen eig­nen, kön­nen für rechts­extre­me Grup­pie­run­gen inter­es­sant sein.
  • Kom­mu­na­le Immo­bi­li­en­ver­käu­fe sorg­fäl­tig prü­fen: Nut­zungs­kon­zep­te und geeig­ne­te ver­trag­li­che Rege­lun­gen kön­nen hel­fen, uner­wünsch­te Ent­wick­lun­gen früh­zei­tig zu erken­nen und recht­lich zuläs­si­ge Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten zu nutzen.
  • Bau­recht­li­che und ord­nungs­recht­li­che Vor­ga­ben beach­ten: Bei Ver­an­stal­tun­gen und Gebäu­de­nut­zung kön­nen unter ande­rem Geneh­mi­gun­gen, Brand­schutz, Lärm­schutz und bau­recht­li­che Anfor­de­run­gen rele­vant werden.
  • Sicher­heits­be­hör­den früh­zei­tig ein­be­zie­hen: Bei kon­kre­ten Ver­dachts­mo­men­ten emp­fiehlt die Bro­schü­re die Zusam­men­ar­beit mit den zustän­di­gen Sicherheitsbehörden.
  • Demo­kra­ti­sche Netz­wer­ke stär­ken: Kom­mu­nal­po­li­tik, Ver­wal­tung, Ver­ei­ne und enga­gier­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger kön­nen gemein­sam dazu bei­tra­gen, rechts­extre­mer Ein­fluss­nah­me entgegenzuwirken.

Dabei gilt: Kom­mu­na­le Maß­nah­men müs­sen stets auf einer trag­fä­hi­gen gesetz­li­chen Grund­la­ge beru­hen. Poli­ti­sche Ein­stel­lun­gen allein recht­fer­ti­gen bei­spiels­wei­se weder die Unter­sa­gung einer recht­mä­ßi­gen Ver­an­stal­tung noch Ein­grif­fe in pri­va­te Eigen­tums­rech­te. Ent­schei­dend sind die kon­kre­ten recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des jewei­li­gen Einzelfalls.

Prävention beginnt im örtlichen Zusammenleben

Die Bro­schü­re macht deut­lich, dass der Umgang mit rechts­extrem genutz­ten Immo­bi­li­en nicht allein eine Fra­ge des Ord­nungs- oder Bau­rechts ist.

Eine wich­ti­ge Rol­le spielt auch die gesell­schaft­li­che Situa­ti­on vor Ort. Wo Begeg­nungs­stät­ten feh­len, Ver­ei­ne Nach­wuchs suchen oder öffent­li­che Ein­rich­tun­gen schlie­ßen, kön­nen rechts­extre­me Akteu­re ver­su­chen, die­se Lücken zu besetzen.

Für Kom­mu­nen ergibt sich dar­aus eine wei­ter­ge­hen­de Auf­ga­be: Bestehen­de demo­kra­ti­sche Struk­tu­ren, Ver­ei­ne und Begeg­nungs­mög­lich­kei­ten zu stär­ken, kann dazu bei­tra­gen, sol­chen Ent­wick­lun­gen vorzubeugen.

Die Her­aus­ge­ber emp­feh­len außer­dem eine enge Zusam­men­ar­beit zwi­schen demo­kra­ti­schen Kräf­ten in der Kom­mu­nal­po­li­tik und der Zivil­ge­sell­schaft. Früh­zei­ti­ge Infor­ma­ti­on, fach­li­che Bera­tung und eine abge­stimm­te Vor­ge­hens­wei­se kön­nen hel­fen, Hand­lungs­mög­lich­kei­ten zu erken­nen und Kon­flik­te nicht eska­lie­ren zu lassen.

Praxisorientierte Broschüre mit Checkliste

Die acht­sei­ti­ge Ver­öf­fent­li­chung rich­tet sich aus­drück­lich an kom­mu­na­le Ver­wal­tun­gen, kom­mu­nal­po­li­tisch Ver­ant­wort­li­che, zivil­ge­sell­schaft­lich Enga­gier­te und Medienvertretende.

Sie ent­hält neben einer Dar­stel­lung rechts­extre­mer Immo­bi­li­en­stra­te­gien kon­kre­te Emp­feh­lun­gen für die ver­schie­de­nen Akteurs­grup­pen. Eine abschlie­ßen­de Ana­ly­se-Check­lis­te unter­stützt dabei, die Eigen­tums- und Nut­zungs­ver­hält­nis­se einer Immo­bi­lie, ihre Bedeu­tung für rechts­extre­me Netz­wer­ke und mög­li­che ers­te Hand­lungs­schrit­te sys­te­ma­tisch zu betrach­ten. Ergän­zend ver­weist die Publi­ka­ti­on auf eine aus­führ­li­che­re Hand­rei­chung meh­re­rer Lan­des­in­nen­mi­nis­te­ri­en, die recht­li­che Grund­la­gen und Fall­bei­spie­le zum Umgang mit rechts­extre­mis­tisch genutz­ten Immo­bi­li­en behandelt.

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