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Friedhöfe im Wandel: Neue Perspektiven für ungenutzte Flächen

Cover: Handreichung zum Umgang mit Friedhofs-Freiflächen

Wie kön­nen Kom­mu­nen ihre Fried­hö­fe zukunfts­fä­hig gestal­ten? Der Wan­del der Bestat­tungs­kul­tur führt vie­ler­orts dazu, dass immer mehr Grab­flä­chen nicht mehr benö­tigt wer­den. Gleich­zei­tig blei­ben die Kos­ten für Pfle­ge, Unter­hal­tung und den Erhalt his­to­ri­scher Anla­gen bestehen. Eine neue Hand­rei­chung zeigt, wie sich die­se Her­aus­for­de­run­gen mit neu­en Nut­zungs­mög­lich­kei­ten ver­bin­den las­sen – und wel­che Chan­cen Fried­hö­fe für Kli­ma­an­pas­sung, Arten­viel­falt und das gesell­schaft­li­che Mit­ein­an­der bieten.

Cover: Handreichung zum Umgang mit Friedhofs-Freiflächen
Illus­tra­ti­on: oekom GmbH

Vom Bestattungsort zum vielseitigen Grünraum

Fried­hö­fe sind weit mehr als Orte der Bestat­tung und des Geden­kens. Sie sind häu­fig wert­vol­le Grün­flä­chen, Lebens­räu­me für Tie­re und Pflan­zen, Zeug­nis­se der Orts­ge­schich­te und Orte der Ruhe und Begeg­nung. Gera­de ange­sichts des Kli­ma­wan­dels gewin­nen ihre Funk­tio­nen für das loka­le Kli­ma und die bio­lo­gi­sche Viel­falt an Bedeutung.

Gleich­zei­tig ver­än­dern sich die Anfor­de­run­gen an Fried­hö­fe. Durch neue Bestat­tungs­for­men und gesell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen wer­den vie­ler­orts weni­ger tra­di­tio­nel­le Grab­flä­chen benö­tigt. Für die Fried­hofs­trä­ger ent­ste­hen dadurch Her­aus­for­de­run­gen: Die Ein­nah­men aus Bestat­tungs­ge­büh­ren kön­nen zurück­ge­hen, wäh­rend gro­ße Flä­chen wei­ter­hin gepflegt und unter­hal­ten wer­den müssen.

Die 2026 erschie­ne­ne „Hand­rei­chung zum Umgang mit Fried­hofs­frei­flä­chen“ zeigt, wie sol­che Flä­chen sinn­voll wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den kön­nen. Sie wur­de von Lara Schink für den Ver­band der Annen­fried­hö­fe Dres­den erar­bei­tet und basiert unter ande­rem auf Erkennt­nis­sen des Modell­pro­jekts „Vom Park­fried­hof zum Fried­hofs­park“. Das Pro­jekt war Teil des vom Bun­des­in­sti­tut für Bau‑, Stadt- und Raum­for­schung (BBSR) betreu­ten For­schungs­vor­ha­bens „Green Urban Labs II“.

Chancen für Klimaanpassung, Artenvielfalt und Begegnung

Die Publi­ka­ti­on stellt zahl­rei­che Mög­lich­kei­ten vor, wie Fried­hofs­frei­flä­chen neue Funk­tio­nen über­neh­men kön­nen, ohne ihren beson­de­ren Cha­rak­ter zu ver­lie­ren. Dazu gehö­ren beispielsweise:

  • Kli­ma­an­pas­sung: Bäu­me, Grün­flä­chen und unver­sie­gel­te Böden kön­nen zur Küh­lung bei­tra­gen und das loka­le Kli­ma verbessern.
  • Bio­di­ver­si­tät: Natur­na­he Wie­sen, hei­mi­sche Gehöl­ze und ange­pass­te Pfle­ge­kon­zep­te schaf­fen Lebens­räu­me für Insek­ten, Vögel und ande­re Tiere.
  • Nah­erho­lung und Begeg­nung: Behut­sam gestal­te­te Auf­ent­halts­be­rei­che kön­nen Fried­hö­fe als Orte der Ruhe und des sozia­len Aus­tauschs stärken.
  • Kul­tur und Geschich­te: His­to­ri­sche Grab­stät­ten, Denk­mä­ler und gestal­te­ri­sche Ele­men­te kön­nen erhal­ten und für die Ver­mitt­lung der Orts­ge­schich­te genutzt werden.

Ent­schei­dend ist dabei, die Wür­de des Fried­hofs als Bestat­tungs- und Erin­ne­rungs­ort zu respek­tie­ren. Nicht jede Nut­zung eig­net sich für jede Flä­che. Die Hand­rei­chung emp­fiehlt des­halb, ört­li­che Beson­der­hei­ten und die Bedürf­nis­se der Bevöl­ke­rung früh­zei­tig zu berücksichtigen.

Besonders interessant für Kommunen in Rheinland-Pfalz

Auch für Rhein­land-Pfalz bie­tet die Hand­rei­chung wert­vol­le Anre­gun­gen. Gera­de in klei­ne­ren Städ­ten und Orts­ge­mein­den gehö­ren Fried­hö­fe zu den wich­ti­gen Ein­rich­tun­gen der ört­li­chen Daseins­vor­sor­ge. Ihre Unter­hal­tung bin­det kom­mu­na­le Mit­tel und per­so­nel­le Res­sour­cen. Zugleich sind sie häu­fig iden­ti­täts­stif­ten­de Orte mit einer lan­gen Geschichte.

Für die kom­mu­na­le Pra­xis stellt sich des­halb die Fra­ge, wie Fried­hofs­flä­chen künf­tig gestal­tet und finan­ziert wer­den kön­nen. Dabei geht es nicht zwangs­läu­fig um eine grund­le­gen­de Umge­stal­tung. Schon klei­ne­re Maß­nah­men, etwa eine natur­nä­he­re Pfle­ge, zusätz­li­che Baum­pflan­zun­gen oder die behut­sa­me Auf­wer­tung von Auf­ent­halts­be­rei­chen, kön­nen einen Mehr­wert schaffen.

Inter­es­sant ist auch die Fra­ge der Finan­zie­rung. Die Hand­rei­chung unter­schei­det zwi­schen der eigent­li­chen Bestat­tungs­funk­ti­on und wei­te­ren öffent­li­chen Leis­tun­gen eines Fried­hofs, etwa für Grün­ver­sor­gung, Kli­ma­schutz oder Nah­erho­lung. Sie zeigt Ansät­ze auf, wie sol­che zusätz­li­chen Funk­tio­nen finan­ziert und Ver­ant­wort­lich­kei­ten zwi­schen Kom­mu­nen und ande­ren Fried­hofs­trä­gern gere­gelt wer­den können.

Gera­de dort, wo kom­mu­na­le und kirch­li­che Trä­ger zusam­men­wir­ken, kön­nen Koope­ra­tio­nen neue Mög­lich­kei­ten eröffnen.

Praxisbeispiele und konkrete Handlungsempfehlungen

Die umfang­rei­che Publi­ka­ti­on ver­bin­det For­schungs­er­geb­nis­se mit zahl­rei­chen Bei­spie­len aus der Pra­xis. Neben öko­lo­gi­schen und gestal­te­ri­schen Fra­gen behan­delt sie auch orga­ni­sa­to­ri­sche und finan­zi­el­le Aspek­te der Friedhofsentwicklung.

Ein eige­nes Kapi­tel wid­met sich der Zusam­men­ar­beit zwi­schen Fried­hofs­trä­gern, Kom­mu­nal­ver­wal­tun­gen, Ver­ei­nen, Bil­dungs­ein­rich­tun­gen und Bür­ger­schaft. Eine abschlie­ßen­de To-do-Lis­te unter­stützt dabei, die Wei­ter­ent­wick­lung von Fried­hofs­frei­flä­chen sys­te­ma­tisch anzu­ge­hen. Die zen­tra­le Bot­schaft: Frei wer­den­de Fried­hofs­flä­chen müs­sen nicht zwangs­läu­fig zu einer Belas­tung wer­den. Mit vor­aus­schau­en­der Pla­nung kön­nen sie neue Qua­li­tä­ten für Mensch, Natur und Kom­mu­ne ent­fal­ten – ohne ihre Bedeu­tung als Orte der Erin­ne­rung zu verlieren.

Down­load: Umgang mit Fried­hofs­frei­flä­chen (PDF, 242 Sei­ten, 37 MB)

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