Leerstehende Wohngebäude stellen viele Städte und Gemeinden in strukturschwachen ländlichen Regionen vor große Herausforderungen. Eine bundesweite Kommunalbefragung des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) zeigt, wie Kommunen mit Gebäudeleerstand umgehen, welche Maßnahmen sie bereits ergreifen und welche Unterstützung sie benötigen.

Systematische Erfassung fehlt vielerorts
Im Sommer 2025 wurden im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Weiterentwicklung der Online-Plattform „Potenzial Leerstand“ Städte und Gemeinden in strukturschwachen ländlichen Regionen befragt. Kommunen aus 82 Landkreisen beteiligten sich an der Erhebung.
Die Ergebnisse zeigen erhebliche Defizite beim kommunalen Leerstandsmanagement. Nur gut ein Drittel der befragten Kommunen erhebt eigene Daten zum lokalen Gebäudeleerstand. Rund drei Viertel verfügen weder über eine kontinuierlich gepflegte Datengrundlage noch über eine systematische Strategie zur Aktivierung leerstehender Immobilien. Dabei fehlt es häufig an personellen und finanziellen Ressourcen. Maßnahmen gegen Leerstand werden deshalb überwiegend anlassbezogen umgesetzt, beispielsweise wenn Fördermittel oder geeignete Kooperationspartner zur Verfügung stehen.
Persönliche Ansprache ist das wichtigste Instrument
Die Untersuchung verdeutlicht, dass Kommunen unterschiedliche Wege zur Aktivierung leerstehender Gebäude nutzen. Am häufigsten setzen sie auf die persönliche Ansprache von Immobilieneigentümerinnen und ‑eigentümern. Rund 57 Prozent der befragten Städte und Gemeinden nutzen dieses Instrument. Weitere Maßnahmen sind die Beratung zu Fördermöglichkeiten, die Unterstützung bei Sanierungsplanungen und kommunale Förderprogramme.
Praxisbeispiele aus dem Landkreis Wunsiedel in Bayern und der Stadt Lübz in Mecklenburg-Vorpommern zeigen, wie sich leerstehende Immobilien durch gezielte Beratung, lokale Netzwerke, kreative Zwischennutzungen und die Zusammenarbeit mit Eigentümerinnen und Eigentümern wiederbeleben lassen.
Bedeutung für Rheinland-Pfalz
Auch in Rheinland-Pfalz stellt sich insbesondere in kleineren Städten und ländlichen Gemeinden die Frage, wie bestehende Wohngebäude langfristig genutzt und Ortskerne lebendig gehalten werden können. Der demografische Wandel und Veränderungen auf dem Immobilienmarkt können diese Herausforderung weiter verstärken.
Für die Kommunen geht es dabei nicht allein um die Sanierung einzelner Gebäude. Entscheidend ist vielmehr, Leerstand frühzeitig zu erkennen, Eigentümerinnen und Eigentümer einzubeziehen und neue Nutzungsperspektiven zu entwickeln. Die Aktivierung vorhandener Bausubstanz kann dazu beitragen, Ortskerne zu stärken, zusätzliche Flächeninanspruchnahme zu vermeiden und die Lebensqualität vor Ort zu sichern.
Die Difu-Untersuchung macht deutlich, dass dafür nicht zwangsläufig aufwendige technische Systeme erforderlich sind. Vielmehr benötigen die Kommunen einfach anwendbare Instrumente, kostengünstige Lösungen, unbürokratische Fördermöglichkeiten und fachliche Beratung. Auch der Erfahrungsaustausch zwischen Städten und Gemeinden sowie die Zusammenarbeit auf Kreis- und Regionalebene spielen eine wichtige Rolle.
Praxishilfen und Handlungsmöglichkeiten Der Fachbeitrag verweist zudem auf die bundesweite Online-Plattform „Potenzial Leerstand“, die Informationen, Instrumente und Praxisbeispiele zur Aktivierung leerstehender Immobilien bündelt. Sie unterstützt Kommunen unter anderem bei der Erfassung von Leerständen, der Entwicklung geeigneter Strategien, der Zusammenarbeit mit Eigentümerinnen und Eigentümern sowie der Suche nach Fördermöglichkeiten.