Der Ausbau der Elektromobilität stellt Städte und Gemeinden vor eine zentrale Planungsfrage: Wo sollten neue Ladepunkte entstehen, damit sie möglichst gut erreichbar und ausgelastet sind und zugleich zu den kommunalen Verkehrs- und Mobilitätszielen passen? Ein neues Planungstool aus dem Forschungsprojekt STRALI soll Kommunen bei genau diesen Entscheidungen unterstützen.

STRALI steht für „Strategische Ladeinfrastrukturplanung zur Elektrifizierung des gesamtstädtischen Verkehrs“. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt der Universität Duisburg-Essen wurde gemeinsam mit den Unternehmen IT-Objects und Schotte Automotive sowie mit Unterstützung der Stadt Essen durchgeführt. Nach drei Jahren Forschungs- und Entwicklungsarbeit wurde das daraus entstandene Planungstool nun vorgestellt.
Mehr als die Zahl vorbeifahrender Autos
Der Ansatz geht über eine klassische Standortplanung hinaus. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass sich der Bedarf an Ladeinfrastruktur nicht allein aus Verkehrszahlen ableiten lässt. Deshalb kombiniert STRALI Informationen zum Mobilitätsverhalten mit Verkehrs- und Infrastrukturdaten sowie sozioökonomischen Faktoren. In Essen wurden dafür unter anderem Mobilitätsdaten in den Stadtteilen Frohnhausen und Altendorf erhoben und für ein detailliertes Verkehrsmodell genutzt.
Das webbasierte Tool ermöglicht es Kommunen, verschiedene Szenarien für den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu simulieren und miteinander zu vergleichen. Bewertet werden unter anderem der prognostizierte Energiebedarf, die Erreichbarkeit und die erwartete Auslastung möglicher Standorte. Gleichzeitig lässt sich untersuchen, wie sich neue Ladepunkte auf den Verkehrsfluss auswirken. Kommunale Ziele und die Interessen der Betreiber sollen ebenfalls in die Bewertung einfließen.
Ladeinfrastruktur als Teil der kommunalen Verkehrsplanung
Interessant für Kommunen ist dabei insbesondere die Verknüpfung von Ladeinfrastruktur- und Verkehrsplanung. STRALI untersucht, ob sich durch die strategische Platzierung von Ladepunkten auch Mobilitätsverhalten und Verkehrsströme beeinflussen lassen. Ziel ist eine bedarfsgerechte Ladeinfrastruktur, die sich an kommunalen verkehrspolitischen Zielen ebenso orientiert wie an den Bedürfnissen der Nutzer:innen.
Damit wird die Frage „Wo brauchen wir eine Ladesäule?“ Teil einer umfassenderen kommunalen Mobilitätsplanung: Ladepunkte werden nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang mit Verkehrsströmen, unterschiedlichen Verkehrsmitteln, Wohn- und Gewerbestandorten und dem tatsächlichen Mobilitätsverhalten.
Anwendung auch in weiteren Kommunen geplant
Entwickelt und erprobt wurde der Ansatz am Beispiel der Stadt Essen. Dabei soll es jedoch nicht bleiben. Nach Abschluss des Forschungsprojekts soll das Planungstool auch in weiteren Kommunen eingesetzt und dafür weiterentwickelt werden. Die Forschenden wollen den Planungsprozess künftig bis zur tatsächlichen Umsetzung neuer Ladeinfrastruktur begleiten. Für Städte und Gemeinden könnte damit ein datenbasiertes Instrument entstehen, das Entscheidungen über neue Ladepunkte nachvollziehbarer macht und den Ausbau der Ladeinfrastruktur stärker mit der kommunalen Verkehrsplanung verzahnt.
idw-Online: Ladesäulen – STRALI entwickelt Planungstool für Kommunen