Wie kann eine Kommune mit Gebäuden, Denkmälern oder anderen Orten umgehen, die an Krieg, Diktatur, Kolonialismus oder andere belastende Kapitel der Geschichte erinnern? Diese Frage stellt sich vielerorts – sei es bei ehemaligen Militärstandorten, Industrieanlagen oder Bauwerken mit umstrittener Vergangenheit.

Der neue Werkzeugkasten „Unbequemes Erbe in Europa – Handlungsansätze für lokale Akteure“ des Bundesinstituts für Bau‑, Stadt- und Raumforschung (BBSR) bietet hierzu praxisnahe Orientierung. Die rund 80 Seiten umfassende Publikation richtet sich insbesondere an Kommunen, Planungs- und Denkmalschutzbehörden, Kulturschaffende sowie zivilgesellschaftliche Initiativen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie historisch belastete Orte weder verdrängt noch unkritisch bewahrt, sondern verantwortungsvoll und zukunftsorientiert weiterentwickelt werden können. Dabei versteht sich der Werkzeugkasten ausdrücklich nicht als starre Handlungsanleitung, sondern als flexible Unterstützung für unterschiedliche lokale Ausgangslagen.
Drei Themenbereiche
Die Veröffentlichung gliedert sich in drei Themenbereiche: Zunächst geht es darum, Zusammenhänge und Konflikte rund um das jeweilige Erbe besser zu verstehen. Anschließend werden Ansätze vorgestellt, um das öffentliche Bewusstsein für diese Orte zu stärken. Schließlich zeigt der Werkzeugkasten Möglichkeiten auf, wie belastete Orte als Räume für Erinnerung, Demokratiebildung oder neue Nutzungen weiterentwickelt werden können. Ergänzt werden die Kapitel durch zahlreiche europäische Praxisbeispiele und Fallstudien.
Interdisziplinärer Ansatz
Ein besonderes Merkmal der Publikation ist ihr interdisziplinärer Ansatz. Sie verbindet Erkenntnisse aus Stadtentwicklung, Architektur, Geschichtswissenschaft, Soziologie und Kulturarbeit und betont die Bedeutung von Bürgerbeteiligung sowie einer sensiblen und respektvollen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven. Damit bietet sie Kommunen Anregungen für den Umgang mit anspruchsvollen Erinnerungsorten und deren Einbindung in die zukünftige Stadt- und Ortsentwicklung.
Download: „Unbequemes Erbe in Europa“ (PDF, 82 Seiten, 8,8 MB)