Wie gut sind die Menschen in Deutschland mit Bus und Bahn angebunden? Der neue ÖV-Atlas 2026 von Agora Verkehrswende macht die Qualität des öffentlichen Verkehrs bundesweit vergleichbar – für rund 400 Kreise und knapp 11.000 Gemeinden. Besonders interessant ist der Blick auf Rheinland-Pfalz: Beim ÖPNV im ländlichen Raum schneidet das Land im bundesweiten Vergleich besonders gut ab.

Grundlage des Atlas sind bundesweite Fahrplandaten, die mit Bevölkerungsdaten des Zensus verknüpft wurden. Bewertet werden die Entfernung zur nächsten Haltestelle, die Taktdichte und die Art des Verkehrsmittels. Daraus ergeben sich ÖV-Güteklassen von A für die beste bis F für die schwächste Anbindung.
Bundesweit zeigen die Ergebnisse deutliche Unterschiede. Rund 30 Millionen Menschen leben an Orten mit einer Anbindung der beiden besten Güteklassen A oder B. Gleichzeitig haben 21 Millionen Menschen an ihrem Wohnort kein Angebot, das mindestens die Güteklasse D erreicht – eine Qualität, die laut Agora Verkehrswende außerhalb der Großstädte als gutes Grundangebot gelten kann.
Rheinland-Pfalz mit geringstem Stadt-Land-Abstand
Bemerkenswert ist das Ergebnis für Rheinland-Pfalz. Hier ist der Abstand zwischen Stadt und Land bei der Qualität des öffentlichen Verkehrs bundesweit am geringsten. Der ländliche Raum erreicht im Durchschnitt die Güteklasse D; lediglich fünf Prozent der dort lebenden Bevölkerung können keiner Güteklasse zugeordnet werden.
Agora Verkehrswende verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Entwicklung des ÖPNV im Land: Rheinland-Pfalz gehörte zu den Pionieren des integralen Taktfahrplans und übertrug diesen bereits in den 1990er-Jahren vom Schienenpersonennahverkehr auf Regionalbuslinien.
Auch beim Blick auf ein Mindestangebot fällt Rheinland-Pfalz auf. Gemeinden, die für mindestens 95 Prozent ihrer Bevölkerung die Güteklasse F oder besser erreichen, häufen sich insbesondere in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Selbst dünn besiedelte Landkreise in Rheinland-Pfalz erreichen diese Schwelle. Für Agora zeigt dies, dass die Qualität des ÖPNV nicht allein von der Siedlungsstruktur abhängt, sondern auch von den Angebotskonzepten der Aufgabenträger.
Der interaktive ÖV-Atlas 2026 ermöglicht es, die Ergebnisse bis auf Gemeindeebene zu betrachten und damit auch Unterschiede innerhalb von Rheinland-Pfalz sichtbar zu machen.
Autonome Angebote als Perspektive für den ländlichen Raum
Wie sich der öffentliche Verkehr künftig weiterentwickeln könnte, beleuchtet Agora Verkehrswende in einem weiteren aktuellen Diskussionspapier. Im Mittelpunkt stehen automatisierte Bahnen, fahrerlose Busse und On-Demand-Shuttles.
Gerade für ländliche Räume sieht das Papier Potenziale: Fahrerlose On-Demand-Angebote könnten bestehende Linien dort ergänzen, wo die Nachfrage gering ist oder klassische Angebote an ihre Grenzen stoßen. Agora Verkehrswende plädiert dafür, nach zahlreichen Pilotprojekten den Übergang in den Regelbetrieb vorzubereiten und dafür größere Modellregionen in Stadt und Land aufzubauen. Neben technischen Fragen geht es dabei insbesondere um Finanzierung, Regulierung und die Integration autonomer Angebote in bestehende ÖPNV-Systeme. Damit eröffnet sich auch für ländlich geprägte Regionen die Frage, wie ein bereits vorhandenes Bus- und Bahnangebot künftig durch flexible und automatisierte Mobilitätsangebote ergänzt werden kann.