Neue Studie des Berlin-Instituts zeigt regionale Unterschiede bis 2045 – Rheinland-Pfalz altert deutlich, auch wenn die Bevölkerungszahl vergleichsweise stabil bleibt. Deutschland steht vor einer neuen Phase des demografischen Wandels. Nach Jahren des Bevölkerungswachstums dürfte die Einwohnerzahl künftig wieder sinken. Gleichzeitig nimmt der Anteil älterer Menschen zu, während weniger Menschen im Erwerbsalter zur Verfügung stehen.

Wie unterschiedlich sich diese Entwicklungen regional auswirken, untersucht die im Oktober 2026 veröffentlichte Studie „Die demografische Lage der Nation – Wie zukunftsfähig Deutschlands Regionen in Zeiten des Strukturwandels sind“ des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und der Wüstenrot Stiftung.
Die Untersuchung umfasst alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands. Neben einer regionalen Bevölkerungsprognose bis 2045 bewertet ein Index anhand von 26 Indikatoren die demografischen, wirtschaftlichen, bildungsbezogenen und sozialen Rahmenbedingungen der Regionen.
Deutschland wird älter – regionale Unterschiede nehmen zu
Nach der Prognose des Berlin-Instituts dürfte die Bevölkerung Deutschlands von rund 83,5 Millionen Menschen Ende 2025 auf etwa 81,8 Millionen im Jahr 2045 zurückgehen. Besonders deutlich verändert sich die Altersstruktur: Die Zahl der über 67-Jährigen könnte um rund 14,5 Prozent steigen, während die Bevölkerung im Erwerbsalter zwischen 20 und 67 Jahren um etwa 4,7 Prozent abnimmt.
Hinter diesen bundesweiten Durchschnittswerten verbergen sich erhebliche regionale Unterschiede. Während wirtschaftsstarke Großstadtregionen und ihr Umland teilweise weiter wachsen, müssen sich viele ländliche und strukturschwächere Regionen auf Bevölkerungsverluste einstellen. Allerdings verlaufen die Unterschiede keineswegs ausschließlich entlang der Grenzen zwischen Ost und West oder Stadt und Land.
Rheinland-Pfalz: Weniger Erwerbstätige, mehr ältere Menschen
Für Rheinland-Pfalz prognostiziert die Studie bis 2045 einen vergleichsweise moderaten Bevölkerungsrückgang um 2,4 Prozent – von rund 4,13 auf 4,03 Millionen Menschen. Deutlich stärker fällt die Veränderung der Altersstruktur aus:
- Die Zahl der Menschen über 67 Jahren steigt voraussichtlich um rund 17 Prozent.
- Die Bevölkerung unter 20 Jahren nimmt um etwa zehn Prozent ab.
- Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter zwischen 20 und 67 Jahren sinkt um rund sechs Prozent.
Auch innerhalb des Landes sind die Entwicklungen unterschiedlich. Während insbesondere Mainz und Ludwigshafen am Rhein laut Prognose noch Bevölkerungszuwächse verzeichnen könnten, zeichnen sich in Teilen des Südens und Nordwestens Rückgänge ab.
Im sogenannten BI-Index Zukunftsfähigkeit belegt Rheinland-Pfalz unter den Bundesländern insgesamt Rang sechs. Bei den demografischen Rahmenbedingungen erreicht das Land sogar Rang fünf, während es in der wirtschaftlichen Bewertung lediglich auf Rang zwölf liegt. Diese Unterschiede verdeutlichen, dass die Zukunftsperspektiven einer Region von zahlreichen Faktoren abhängen.
Unterschiedliche Prognosen für Rheinland-Pfalz
Ein Vergleich mit den Berechnungen des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz zeigt allerdings, dass Bevölkerungsvorausberechnungen nicht zwangsläufig zu denselben Ergebnissen kommen.
Während das Berlin-Institut bis 2045 einen moderaten Bevölkerungsrückgang erwartet, geht die sechste regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz aus dem Jahr 2022 in ihrer mittleren Variante zunächst noch von einem Anstieg auf rund 4,17 Millionen Einwohner bis 2040 aus.
Die unterschiedlichen Ergebnisse erklären sich unter anderem durch abweichende Basisjahre, Prognosezeiträume und Annahmen, insbesondere zur künftigen Zuwanderung. Ein unmittelbarer Vergleich der Bevölkerungszahlen ist deshalb nur eingeschränkt möglich.
In zwei wesentlichen Punkten stimmen die Untersuchungen jedoch überein: Die Bevölkerung altert deutlich, und die regionalen Unterschiede innerhalb von Rheinland-Pfalz stellen die Kommunen vor unterschiedliche Herausforderungen.
Was bedeutet das für die Kommunen?
Für Städte, Gemeinden und Landkreise ist weniger die Entwicklung der Einwohnerzahl allein entscheidend als vielmehr die Veränderung der Bevölkerungsstruktur. Daraus ergeben sich vielfältige Aufgaben für die kommunale Entwicklung.
Mit einer alternden Bevölkerung steigen beispielsweise die Anforderungen an Gesundheitsversorgung, Pflege, barrierefreies Wohnen und wohnortnahe Dienstleistungen. Gleichzeitig verändern sich die Bedarfe bei Kindertagesstätten, Schulen und anderen Einrichtungen der sozialen Infrastruktur.
Der Rückgang der Bevölkerung im Erwerbsalter verschärft zudem den Fachkräftemangel – nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in kommunalen Verwaltungen und Einrichtungen der Daseinsvorsorge. Besonders in dünn besiedelten ländlichen Regionen stellt sich die Frage, wie wichtige Angebote trotz sinkender Nutzerzahlen, größerer Entfernungen und begrenzter finanzieller sowie personeller Ressourcen dauerhaft aufrechterhalten werden können. Interkommunale Zusammenarbeit, flexible Mobilitätsangebote und neue Formen der Versorgung können dabei an Bedeutung gewinnen.
Prognosen als Orientierung, nicht als endgültiges Urteil
Die Studie des Berlin-Instituts bietet eine umfangreiche Datengrundlage, um regionale Entwicklungen zu vergleichen und mögliche Herausforderungen frühzeitig zu erkennen. Allerdings sollten insbesondere die Bewertungen des Zukunftsfähigkeitsindex differenziert betrachtet werden.
Die Rangfolge ergibt sich aus einer bestimmten Auswahl und Gewichtung von Indikatoren. Sie beschreibt damit vor allem die gegenwärtigen strukturellen Voraussetzungen der Regionen, nicht aber zwangsläufig deren tatsächliche Entwicklungsmöglichkeiten. Auch die Bevölkerungsprognosen hängen von Annahmen ab, die sich im Zeitverlauf verändern können.
Für die kommunale Praxis kommt es deshalb darauf an, die überregionalen Erkenntnisse mit kleinräumigen Daten, örtlichen Erfahrungen und konkreten Entwicklungsperspektiven zu verbinden. Der demografische Wandel lässt sich nicht aufhalten, seine Folgen lassen sich jedoch gestalten. Entscheidend ist, dass Kommunen frühzeitig auf veränderte Bedarfe reagieren und tragfähige Lösungen entwickeln, die zu ihren jeweiligen Voraussetzungen passen.
- Download: Die demografische Lage der Nation (PDF, 116 Seiten, 9 MB)
- Interaktives Online-Angebot mit regionalen Daten für alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte
- Berlin-Institut: Pressemitteilung zur neuen Studie vom 6. Oktober 2026
- Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Sechste regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung