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Fünf Beispiele: Chancen durch KI in Landwirtschaft, Gesundheit, Ehrenamt, Tourismus und Mobilität in RLP

Wo lie­gen die Poten­zia­le von künst­li­cher Intel­li­genz und Digi­ta­li­sie­rung mit beson­de­rem Blick auf das kom­mu­na­le Leben in Rhein­land-Pfalz? Die KI-Stu­die benennt fünf Bei­spie­le: Land­wirt­schaft, Gesund­heit, Ehren­amt, Tou­ris­mus und Mobi­li­tät.

Die­ser Bei­trag ist ein Aus­zug aus der „Gut­ach­ter­li­chen Stel­lung­nah­me zu den Aus­wir­kun­gen künst­li­cher Sys­te­me und der Digi­ta­li­sie­rung auf das kom­mu­na­le Leben in Rhein­land-Pfalz 2050“. Die gesam­te Stu­die steht unter ea​-rlp​.de/​e​a​r​l​p​d​i​g​i​t​a​l​2​019 zum Down­load als PDF (88 Sei­ten, 18 MB) bereit.

Aus­zug 1 – Künst­li­che Intel­li­genz: Kon­zep­te und Tech­no­lo­gi­en
Aus­zug 2 – Fünf Bei­spie­le: Chan­cen durch KI in Land­wirt­schaft, Gesund­heit, Ehren­amt, Tou­ris­mus und Mobi­li­tät in RLP
Aus­zug 3 – Sze­na­ri­en für Rhein­land-Pfalz: Zwi­schen Dys­to­pie und Uto­pie

Zusam­men­fas­sung

Autorin­nen und Autoren: Mat­thi­as Berg (Fraun­ho­fer IESE), Chris­toph Giehl (Stadt­so­zio­lo­gie TU Kai­sers­lau­tern), Mat­thi­as Koch (Fraun­ho­fer IESE), Mar­tin Mem­mel (DFKI), Annet­te Spel­ler­berg (Lei­tung; Stadt­so­zio­lo­gie TU Kai­sers­lau­tern), Ricar­da Wal­ter (Stadt­so­zio­lo­gie TU Kai­sers­lau­tern); unter Mit­ar­beit von: Stef­fen Hess, Andre­as Jed­litsch­ka, Micha­el Kla­es, Die­ter Ler­ner, Adam Tren­do­wicz (Fraun­ho­fer IESE).

Potenziale im Bereich Landwirtschaft am Beispiel der Planungsregion Rheinpfalz

(Foto: Uns­plash)

Digi­ta­li­sie­rung und KI in der Land­wirt­schaft ver­spre­chen Res­sour­cen- und Arbeitseinspa­rungen bei gleich­zei­tig höhe­ren Erträ­gen. Die­sen Poten­zia­len kommt ange­sichts der Her­ausforderungen in den kom­men­den Jah­ren eine hohe Bedeu­tung zu, wel­che laut der Deut­schen Land­wirt­schafts-Gesell­schaft (DLG) in der welt­weit wach­sen­den Bevöl­ke­rung inklu­sive deren Ver­sor­gung und damit zusam­men­hän­gend in der Ver­schär­fung des internatio­nalen Wirt­schafts­raums für Nah­rungs­mit­tel lie­gen. Damit die deut­sche Land­wirt­schaft ange­sichts sol­cher Ent­wick­lun­gen wett­be­werbs­fä­hig bleibt, muss die Land­wirt­schaft 4.0 aus­gebaut wer­den, wofür als Grund­vor­aus­set­zung ein sta­bi­les, flä­chen­de­cken­des Breitband­netz exis­tie­ren muss (Baye­ri­sches land­wirt­schaft­li­ches Wochen­blatt 2018).

Kern­be­grif­fe besag­ter Land­wirt­schaft 4.0 sind Land­ma­nage­ment, Risi­ko­ma­nage­ment (zum Bei­spiel bei Dür­ren), intel­li­gen­te Agrar­tech­nik und Bewirt­schaf­tung (Klär­le 2018; Kuhn 2018; Lutz 2017; Schmidt 2018). Um wett­be­werbs­fä­hig zu blei­ben und die Ernäh­rungswirtschaft in Deutsch­land hal­ten zu kön­nen, müs­sen die­se tech­no­lo­gi­schen Poten­ziale genutzt und vor allem von den betei­lig­ten Men­schen benutzt und ver­stan­den, sprich akzep­tiert wer­den (Baye­ri­sches land­wirt­schaft­li­ches Wochen­blatt 2018; Rei­ne­cke 2015, 66).

Im Bereich des Land­ma­nage­ments lie­gen die Mög­lich­kei­ten vor allem in einer effi­zi­en­te­ren und gerech­te­ren Land­nut­zung durch Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren, die sich an Geo­da­ten und Ansprü­chen der Nut­zer ori­en­tie­ren. Durch die Anwen­dung von KI las­sen sich Flä­chen po­tenziell schnel­ler und gerech­ter sowie auf Bedürf­nis­se abge­stimmt ver­tei­len. Klär­le spricht hier­bei von einem „agi­len Land­ma­nage­ment“ (Klär­le 2018, 38), also einer wei­test­ge­hend selbst­or­ga­ni­sier­ten Boden­ord­nung, in wel­cher Land­wir­te, Natur­schüt­zer, Kom­mu­nen und ganz all­ge­mein „Flä­chen­nut­zer“ zu Akteu­ren wer­den und „Flur­be­rei­ni­ger“ hin­ter­grün­dig im Rechts­be­reich agie­ren. Am Bei­spiel der Flur­be­rei­ni­gung zeich­net sich ab, dass Eigen­tum zuguns­ten der Nut­zung an Zen­tra­li­tät ver­liert, beweg­li­cher wird und somit schnel­le­re Re­formen mög­lich wer­den (ebd.).

Wei­te­re Mög­lich­kei­ten, die durch Digi­ta­li­sie­rung und KI ent­ste­hen, sind auto­nom fah­ren­de Land­ma­schi­nen, die mit Steu­er­ge­rä­ten, Kame­ras, Radar­sen­so­ren und auto­ma­ti­schen Sys­te­men zur Len­kung per Satel­li­ten­si­gnal aus­ge­stat­tet sind. Auch ermög­licht der techni­sche Fort­schritt die Prä­zi­si­ons­land­wirt­schaft („Pre­cisi­on Far­ming“), mit der der Land­wirt Dün­gung, Bewäs­se­rung und Schäd­lings­be­kämp­fung über Sen­sor­tech­nik, Geo­da­ten, Droh­nen­ein­satz, Satel­li­ten­tech­nik, loT und maschi­nel­les Ler­nen exak­ter, ein­fa­cher und kos­ten­güns­ti­ger steu­ern kann. Auch in der Vieh­hal­tung kann sol­che Sen­sor­tech­nik zum Ein­satz kom­men (Bay­er 2018; Deut­scher Bau­ern­ver­band 2018; Lutz 2017, 435–439).

Ein gene­rel­les Pro­blem liegt in der Ver­füg­bar­keit der Daten sowie in der Fra­ge, inwie­weit die­se öffent­lich sein kön­nen, da die Ver­füg­bar­keit nicht zur Über­wa­chung der Land­wir­te füh­ren darf. Die Daten­ho­heit muss also bei den Land­wir­ten lie­gen. Zudem soll Landwirt­schaft 4.0 nicht von der Grö­ße der Betrie­be abhän­gig sein, schreibt der Deut­sche Bauern­verband: „Über Maschi­nen­rin­ge, Lohn­un­ter­neh­men und ande­re For­men der Zusammen­arbeit sei­en grund­sätz­lich alle Betrie­be in der Lage, Nut­zen aus der neu­en Technikent­wicklung zu zie­hen und damit schnell öko­no­mi­sche, sozia­le und öko­lo­gi­sche Fort­schrit­te zu erzie­len“ (Deut­scher Bau­ern­ver­band 2018).

Die­ser tech­ni­sche Fort­schritt ist inso­fern von beson­de­rer Bedeu­tung für das Land Rhein­­land-Pfalz, als dass der Anteil der Land­wirt­schafts­flä­che im gesam­ten Bun­des­land bei 41, 5 % liegt (42 % Wald, 14, 3 % Sied­lungs- und Ver­kehrs­flä­chen). Eine beson­de­re Be­deutung kommt hier­bei dem Wein­bau als wich­tigs­tem Pro­duk­ti­ons­zweig der rheinland­pfälzischen Land­wirt­schaft zu, da rund 44 % aller land­wirt­schaft­li­chen Betrie­be im Land Reb­flä­chen bewirt­schaf­ten. Als wei­ter­hin bedeut­sam gilt der Anbau wei­te­rer Sonderkultu­ren wie etwa Gemü­se (Gut­ach­ter­aus­schüs­se RLP 2017). Dies trifft ins­be­son­de­re für die Pla­nungs­re­gi­on Rhein­pfalz zu, in deren Gebiet sich gleich zwei land­wirt­schaft­lich bedeut­same Regio­nen, die „Deut­sche Wein­stra­ße“ und der „Gemü­se­gar­ten Deutsch­lands“ be­finden. 2007 wur­den 42 % der Flä­che in der Regi­on Rhein­pfalz als Land­wirt­schafts­flä­che aus­ge­zeich­net, dar­un­ter 25.000 ha für den Wein­bau und 13.000 ha für Frei­land­ge­mü­se.

Begüns­tigt wird die Land­wirt­schaft in der Regi­on durch das beson­de­re Kli­ma sowie die flä­chen­haf­te Bereg­nung, wel­che zu hohen Erträ­gen führt.

Um den künf­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen im Bereich der Land­wirt­schaft zu begeg­nen, ist es somit unab­ding­bar, die Mög­lich­kei­ten neu­er tech­no­lo­gi­scher Ent­wick­lun­gen (Landwirt­schaft 4.0) zu nut­zen und gleich­zei­tig das Poten­zi­al der land­wirt­schaft­lich genutz­ten Räu­me für Nah­erho­lung und Tou­ris­mus zu erhal­ten. Denk­bar wäre hier bei­spiels­wei­se die par­ti­zi­pa­ti­ve Nut­zung von Sen­sor­da­ten der ver­schie­de­nen Anbauflä­chen, um Land­wir­ten Mög­lich­kei­ten zur Prä­zi­si­ons­land­wirt­schaft zu bie­ten. Dar­über hin­aus wird ein hohes Poten­zi­al in genos­sen­schaft­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­for­men wie Maschi­nenringen gese­hen, wie sie bereits heu­te exis­tie­ren.

Potenziale im Bereich Gesundheit und Pflege am Beispiel der Planungsregion Rheinhessen-Nahe

(Foto: Uns­plash)

Medi­zin und Pfle­ge sind Fel­der, die geprägt sind von Mensch-Mensch-Inter­ak­tio­nen und des­we­gen sozia­le, nor­ma­ti­ve und ethi­sche Kom­po­nen­ten beinhal­ten, die bei der Digitali­sierung und bei der Imple­men­tie­rung von KI beach­tet wer­den müs­sen. Da der pfle­gen­de und medi­zi­ni­sche Bereich sehr viel­fäl­tig ist, sind es die Tech­no­lo­gi­en eben­falls.

Die Poten­zia­le von KI lie­gen der­zeit in der Dia­gno­se, Pro­gnos­tik und Prä­ven­ti­on. KI fin­det vor allem in der Nut­zung von Assis­tenz­pro­gram­men Anwen­dung und soll „arztunterstüt­zend, nicht arz­ter­set­zend“ sein (Ärzteblatt.de 2017). Medi­zin­tech­nik-Exper­ten ver­mu­ten, dass 50 % der Kli­ni­ken in den kom­men­den fünf Jah­ren künst­li­che Intel­li­genz implementie­ren wer­den (Hänssler 2018). Inzwi­schen bele­gen Stu­di­en den gro­ßen Nut­zen intel­li­gen­ter Sys­te­me, die mit ler­nen­den Soft­ware­al­go­rith­men arbei­ten, bei­spiels­wei­se für bild­ge­stütz­te Dia­gno­se­ver­fah­ren in der Gas­tro­en­te­ro­lo­gie (soft­ware­ge­stütz­te Endo­sko­pie) oder Radio­logie (ver­bes­ser­te Rönt­gen- und MRT-Auf­nah­men), die den Aus­wer­tungs­pro­zess be­schleunigen und dem Arzt mehr Zeit für den Pati­en­ten­kon­takt ermög­li­chen. Bedin­gung hier­für ist die Daten­ver­füg­bar­keit, wel­che tech­ni­sche und ethi­sche Schwie­rig­kei­ten birgt. Trai­nings­da­ten­sät­ze für Lern­al­go­rith­men müs­sen vali­diert sein, das heißt, die Lern­da­ten für die Algo­rith­men müs­sen auf einer siche­ren Dia­gno­se, auf ver­läss­li­chen Grundannah­men und deut­ba­ren Stu­di­en basie­ren, um zu siche­ren Dia­gno­sen füh­ren zu kön­nen. Die­se Daten exis­tie­ren jedoch nur für häu­fig vor­kom­men­de Krank­heits­bil­der. Hin­zu kommt das Pro­blem des Daten­schut­zes. Einer­seits besteht die Sor­ge, dass beim Daten­aus­tausch zwi­schen Kli­ni­ken, For­schungs­ein­rich­tun­gen und Unter­neh­men Daten an unbe­fug­te Drit­te gelan­gen, ande­rer­seits wür­den Erkrank­te von der KI – und somit von der Frei­ga­be ihrer medi­zi­ni­schen Daten – pro­fi­tie­ren. Kran­ken­kas­sen z.B. haben gro­ßes Inter­es­se an die­sen Daten, könn­ten dar­aus mög­li­che Risi­ko­grup­pen ablei­ten und deren Bei­trä­ge erhö­hen (Ärz­teblatt.de 2017; Gehring et al. 2018; Deck­wei­ler 2015; Hänssler 2018; Jarasch et al. 2018).

Im Bereich der Tele­me­di­zin und Pfle­ge soll durch das neue eHe­alth-Gesetz (Deck­wei­ler 2015) ermög­licht wer­den, dass Video­sprech­stun­den eine regu­lä­re Leis­tung der gesetzli­chen Kran­ken­kas­sen sind. Durch den Ein­satz mobi­ler End­ge­rä­te und neu­er Soft­ware kann die Pfle­ge­do­ku­men­ta­ti­on ent­bü­ro­kra­ti­siert wer­den. Im länd­li­chen Raum könn­te durch per­sönliche Assis­tenz­sys­te­me und Tele­me­di­zin die Ver­sor­gung von Pati­en­ten gewähr­leis­tet wer­den. Das Zurück­le­gen wei­ter Stre­cken wird für den Pati­en­ten redu­ziert und für Pflege­personal opti­miert. Durch Apps und Weara­bles, die Vital­funk­tio­nen mes­sen und spei­chern, sowie über Sen­so­ren im Haus­halt soll die Auto­no­mie von pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen gestärkt wer­den. In der mobi­len Pfle­ge wer­den soge­nann­te digi­ta­le Tou­ren­be­glei­ter ein­gesetzt, die mit der Pfle­ge­zen­tra­le in Ver­bin­dung ste­hen. (Ble­ses et al. 2018, 1; Deck­wei­ler 2015, 6; Lut­ze 2017; Lux et al. 2017, 687, 691; Rashi­di und Mihai­li­dis 2013; Simon et al. 2018, 299f; Ambi­ent Assisted Living Deutsch­land).

Schon jetzt steigt in der Grup­pe der Senio­ren die Nach­fra­ge nach Betreu­ungs- und Pfle­ge­an­ge­bo­ten auf­grund der zunehmen­den Pfle­ge­be­dürf­tig­keit und auf­grund der qua­li­ta­ti­ven Ansprü­che an die Pfle­ge. Die voran­schreitende Auf­lö­sung von genera­tio­nen­über­grei­fen­den Fami­li­en und damit zusammen­hängend der Rück­gang der häus­li­chen Pfle­ge von Ange­hö­ri­gen ver­ur­sacht eine deut­li­che Zunah­me von Per­so­nen, die in öffent­li­chen, kari­ta­ti­ven oder pri­va­ten Ein­rich­tun­gen zu be­treuen und zu pfle­gen sind. Ein Aus­bau die­ser Ange­bo­te sowie die Eta­blie­rung neu­er Wohn­for­men stellt daher auch im länd­li­chen Raum eine Her­aus­for­de­rung für die Kommu­nen dar (PRN 2007, 27).

Für die Pla­nungs­re­gi­on Rhein­hes­sen-Nahe zei­gen Modell­rech­nun­gen zur Bevölkerungs­entwicklung, dass sich der Anteil der Hoch­be­tag­ten (75 Jah­re und älter) fast ver­drei­fa­chen wird. Ihnen wer­den nach die­sem Modell dann ledig­lich 16,7 % der Bevöl­ke­rung unter 20 Jah­ren gegen­über­ste­hen. Gleich­zei­tig zeich­net sich die Regi­on durch ihre vie­len Kur­or­te und Sali­nen wie etwa in Bad Müns­ter am Stein und Bad Kreuz­nach als „Zen­trum für Ge­sundheit und Pfle­ge“ aus (PRN 2007). In der Rhein­hes­sen-Nahe-Regi­on gibt es der­zeit 14 ambu­lan­te Alten­be­treu­un­gen und 18 Alten- und Pfle­ge­hei­me, zudem ein medi­zi­ni­sches Zen­trum und vier Kli­ni­ken, 63 all­ge­mein­me­di­zi­ni­sche Pra­xen, 56 Zahn­arzt­pra­xen und 38 fach­ärzt­li­che Pra­xen (PRN 2007, 26). Frag­lich ist, ob mit dem Sin­ken der Bevölkerungs­zahlen vor allem im länd­li­chen Wes­ten der Regi­on der Schlüs­sel an Arzt­pra­xen erhal­ten blei­ben kann.

Ambi­ent­As­sisted Living (ML) und Tele­me­di­zin kön­nen aber gera­de im länd­lich gepräg­ten Wes­ten Mög­lich­kei­ten für die Auf­recht­erhal­tung der Pfle­ge und medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung bie­ten, wenn sie aus­ge­baut und vor allem ange­nom­men wer­den. Inno­va­ti­ons­pro­gno­sen aus Medi­zin und Pfle­ge, vor allem im Bereich der KI, las­sen ver­mu­ten, dass eini­ge Krank­heiten wie Dia­be­tes Typ 2 bes­ser zu behan­deln sein kön­nen oder gar ver­hin­dert wer­den kön­nen. Mit dem Anstei­gen der Zahl an älte­ren und pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen gilt es gene­rell, neue Wohn- und Pfle­ge­kon­zep­te zu för­dern, die medi­zi­nisch aus­ge­stat­tet sind und sozia­le Teil­ha­be garan­tie­ren. Dafür ist es not­wen­dig, die Tech­ni­k­ak­zep­tanz zu för­dern und Auf­klä­rungs­ar­beit zu leis­ten. In der Pfle­ge muss die Auf­merk­sam­keit auf das Pflege­personal gelegt wer­den, da die Digi­ta­li­sie­rungs­pro­zes­se momen­tan im Gro­ßen und Gan­zen der Unter­neh­mens­or­ga­ni­sa­ti­on die­nen, was zu einer Mehr­be­las­tung des Pflegeper­sonal führt. Die­ses Arbeits­feld muss ange­sichts der Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung attrak­ti­ver und fai­rer gestal­tet wer­den (Simon et al. 2018, 303ff).

Potenziale im Bereich Ehrenamt am Beispiel der Planungsregion Mittelrhein-Westerwald

In sei­ner Rede zur Ver­lei­hung des Ver­dienst­or­dens der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zum Tag des Ehren­am­tes 2012 nann­te der dama­li­ge Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck freiwil­liges Enga­ge­ment von Bür­ge­rin­nen und Bür­gern nicht bloß ein „net­tes Plus, [son­dern] un­verzichtbarer Bestand­teil unse­rer Bür­ger­kul­tur“ (Bun­des­prä­si­di­al­amt 2012). Auch der Deut­sche Städ­te­tag ist sich einig, dass ohne das Ehren­amt das Gemein­we­sen und zahl­reiche Ange­bo­te in den Kom­mu­nen in ihrer jet­zi­gen Form nicht denk­bar wären (Deut­scher Städ­te­tag 2006). Die­se Betrach­tung lässt sich im Wesent­li­chen dar­auf zurück­füh­ren, dass frei­wil­lig Enga­gier­te in zahl­rei­chen gesell­schaft­li­chen Berei­chen des sozia­len Lebens we­sentliche Funk­tio­nen über­neh­men.

(Foto: Uns­plash)

Sei es in der Pfle­ge und der sozia­len Betreu­ung, in der Bil­dung und im beruf­li­chen Kon­text, im Tier‑, Umwelt- und Kata­stro­phen­schutz oder im Frei­zeit­be­reich wie etwa in Sport­ver­ei­nen. Fakt ist: Ohne die vie­len frei­wil­lig enga­gier­ten Hel­fer wären eini­ge die­ser Diens­te und Leis­tun­gen nicht rea­li­sier­bar, wodurch dem Ehren­amt eine tra­gen­de Rol­le für die zivil­ge­sell­schaft­li­che Ord­nung zukommt (Red­mann 2018).

Her­aus­for­de­run­gen für die­ses Kon­zept bestehen inso­fern, dass durch den gesellschaftli­chen und demo­gra­fi­schen Wan­del eine flä­chen­de­cken­de Siche­rung sol­cher Ange­bo­te und Dienst­leis­tun­gen künf­tig nicht mehr gewähr­leis­tet wer­den kann. So geht das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt davon aus, dass die Bevöl­ke­rung Deutsch­lands bis zum Jahr 2050 von ca. 82 Mio. auf ca. 76 Mio. sin­ken wird, wobei die länd­li­chen Regio­nen beson­ders vom Bevölke­rungsrückgang betrof­fen sein wer­den. Auch wird eine Ver­än­de­rung der Alters­struk­tur in der Bevöl­ke­rung zu beob­ach­ten sein: So wird der Anteil der unter 20-Jäh­ri­gen auf 16,2 % sin­ken, wäh­rend der Anteil der über 60-Jäh­ri­gen auf 37 ‚6 % anstei­gen wird (Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt 2015b). Ein erhöh­ter Bedarf vor allem in den Berei­chen Sozia­les, Pfle­ge und Gesund­heit, aber auch in der Poli­tik, im Kata­stro­phen­schutz, in der Frei­zeit und Kul­tur wird die Fol­ge sein (Red­mann 2018). Jedoch wird die­ser in sei­ner jet­zi­gen Form durch einen Rück­gang der (kör­per­lich) belast­ba­ren Bevöl­ke­rungs­schich­ten nicht mehr zu decken sein wird. Es wird somit zuneh­mend pro­ble­ma­tisch wer­den, tra­gen­de ehren­amt­li­che Posi­tio­nen zu beset­zen.

Chan­cen, um die­sen Her­aus­for­de­run­gen zu begeg­nen, wer­den auch hier in der Digitali­sierung und der Anwen­dung intel­li­gen­ter Sys­te­me gese­hen. Die neu­en Tech­ni­ken ermög­lichen es, mensch­li­che, oft ein­fa­che Tätig­kei­ten durch den Ein­satz von Maschi­nen und Robo­tern zu erset­zen (Red­mann 2018), was bei­spiels­wei­se im Bereich des Katastrophen­schutzes von zuneh­men­der Bedeu­tung sein wird. Auch die ehren­amt­li­che Gesundheits­vorsorge und Pfle­ge kann auf zahl­rei­che Lösungs­an­sät­ze bau­en, wel­che der tech­ni­sche Fort­schritt ermög­licht. Eben­so wer­den frei­wil­lig orga­ni­sier­te Bil­dungs­an­ge­bo­te (durch die digi­tal ermög­lich­te Dezen­tra­li­tät) die kom­men­den Herausforde­rungen des demo­gra­fi­schen Wan­dels abmil­dern, sodass die Tech­nik ziel­ge­rich­tet und sinn­voll Anwen­dung fin­det.

Zudem ver­än­dern sich durch die digi­ta­le Tech­nik das Bezie­hungsverhalten, die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge und damit nicht zuletzt Organisationsstruktu­ren selbst, da Men­schen sich ver­net­zen und kom­mu­ni­zie­ren kön­nen, ohne dabei am glei­chen Ort sein zu müs­sen. Um die­sen Ver­än­de­run­gen begeg­nen zu kön­nen, benö­ti­gen vor allem tra­di­tio­nel­le ehren­amt­li­che Insti­tu­tio­nen Enga­gier­te, die ihre Orga­ni­sa­ti­on und ihr indi­vi­du­el­les Enga­ge­ment inno­va­tiv an die Zukunft anpas­sen, Ver­än­de­run­gen aufge­schlossen begeg­nen und sich mit­ein­an­der ver­net­zen und ver­bin­den (Red­mann 2018).

Eine beson­de­re Bedeu­tung kommt dem Ehren­amt inner­halb der Pla­nungs­re­gi­on Mit­tel­rhein-Wes­ter­wald des­we­gen zu, da die­se die flä­chen­mä­ßig größ­te Regi­on inner­halb von Rhein­land-Pfalz dar­stellt, wel­che zudem künf­tig von rela­tiv star­ken Bevölkerungsrückgän­gen gekenn­zeich­net sein wird und über aus­ge­präg­te länd­li­che Räu­me ver­fügt, wodurch die Aus­wir­kun­gen des demo­gra­fi­schen Wan­dels hier beson­ders spür­bar sein wer­den. Aber auch in den städ­ti­schen Räu­men ent­lang des obe­ren Mit­tel­rhein­tals wird das Ehren­amt vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen ste­hen, da nicht zuletzt eine der Visio­nen für ein Zukunfts­bild des Obe­ren Mit­tel­rhein­tals im Rah­men des „Mas­ter­plans Welt­erbe Obe­res Mit­tel­rhein­tal“ dar­in besteht, dass das Welt­erbe-Gebiet sich attrak­ti­ver und mit re­gionaler Iden­ti­tät dar­stellt, wofür ver­stärk­tes ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment ent­wi­ckelt wer­den soll (MWKEL 2014).

Es ergibt sich somit das Bild einer pre­kä­ren Lage im Span­nungs­feld zwi­schen erhöh­ter Nach­fra­ge an ehren­amt­li­chem Enga­ge­ment und gleich­zei­ti­gem Rück­gang des Ange­bots. Will man die­ser Her­aus­for­de­rung begeg­nen, um die auf dem Ehren­amt gestütz­ten Ange­bote zu sichern, müs­sen neue For­men der Orga­ni­sa­ti­on eta­bliert wer­den, wel­che durch den tech­ni­schen Fort­schritt begüns­tigt wer­den kön­nen. So ist bei­spiels­wei­se vor­stell­bar, dass ehren­amt­lich orga­ni­sier­te Insti­tu­tio­nen der Daseins­vor­sor­ge wie etwa die frei­wil­li­ge Feu­er­wehr gera­de im länd­li­chen Raum grö­ße­re Gebie­te abde­cken, dafür aber durch um­fangreiche tech­ni­sche Hilfs­mit­tel wie etwa Droh­nen, eine bes­se­re Sen­so­rik zur Katastro­phenfrüherkennung, Lösch- und Räum­ro­bo­ter etc. unter­stützt wer­den, um dem grö­ße­ren Abde­ckungs­be­reich und dem schwin­den­den Per­so­nal mit mehr Effi­zi­enz zu begeg­nen. Not­wen­dig sind hier­für jedoch vor allem Inves­ti­tio­nen in die ent­spre­chen­de Infra­struk­tur und eine kla­re Zuord­nung der ent­spre­chen­den Ver­ant­wort­lich­kei­ten.

Potenziale im Bereich Tourismus am Beispiel der Planungsregion Trier

Der Tou­ris­mus als Wirt­schafts­bran­che wird bereits seit lan­ger Zeit als Informationsge­schäft wahr­ge­nom­men (Schertler 1994). Ent­spre­chend nutz­te die Tou­ris­mus­bran­che seit jeher schon früh und zeit­nah die jeweils ver­füg­ba­ren tech­no­lo­gi­schen Mög­lich­kei­ten wie etwa Tele­gra­fie, Tele­fon, Tele­fax und das Inter­net, um benö­tig­te Infor­ma­tio­nen bereitzu­stellen (Sie­ger und Beri­tel­li 2018). Ent­spre­chend ist zu erwar­ten, dass auch Digi­ta­li­sie­rung und KI deut­li­che Spu­ren in der Art und Wei­se hin­ter­las­sen wer­den, wie und wohin Men­schen künf­tig rei­sen, wel­che Ange­bo­te zur Ver­fü­gung ste­hen wer­den und wie Kun­den und Anbie­ter in Kom­mu­ni­ka­ti­on tre­ten.

(Foto: Schwar­ze)

Bezüg­lich sol­cher Zukunfts­pro­gno­sen zeich­nen Exper­ten der Bran­che zwei pola­ri­sie­ren­de Bil­der. Einer­seits wird die Zukunft in KI-Anwen­dun­gen gese­hen, wel­che unter­ein­an­der op­timale und indi­vi­dua­li­sier­te Ange­bo­te aus­han­deln, Test­be­su­che mit­tels vir­tu­el­ler Rea­li­tät ermög­li­chen, auto­no­me Fahr­zeu­ge zur Erwei­te­rung der Mobi­li­tät und des Erleb­nis­raums steu­ern und Robo­ter als Dienst­leis­ter ermög­li­chen (Wei­ler 2017). Ande­rer­seits wird zu­gleich eine Zunah­me von „Slow Tra­vel und Nach­hal­ti­gem Tou­ris­mus, Spi­ri­tua­li­tät und Ret­ropie, Cha­ri­ty-Rei­sen und Vol­un­teer Tou­rism, Digi­tal Detox und Dark Sky Desti­na­ti­ons“ (Lei­cher 2018) erwar­tet.

Dabei müs­sen sich die­se bei­den Sze­na­ri­en kei­nes­falls aus­schlie­ßen, son­dern sind viel­mehr ergän­zend zu ver­ste­hen. So kann die Tech­no­lo­gie bei­spiels­wei­se dabei hel­fen, Rei­seziele durch neue Ange­bo­te inter­es­san­ter oder Geschich­te durch Aug­men­ted Rea­li­ty o­der Vir­tu­al Rea­li­ty erleb­ba­rer zu machen. Bereits heu­te wer­den (vir­tu­el­le) Nach­bau­ten von einem brei­ten Publi­kum akzep­tiert und teil­wei­se sogar als schö­ner, sau­be­rer und siche­rer als die jewei­li­gen Ori­gi­na­le emp­fun­den (Lei­cher 2018). Das Vir­tu­el­le kann das Ana­lo­ge somit sinn­voll ergän­zen oder gar erset­zen, wenn Zeit bzw. Geld für ‚ech­te‘ Rei­sen knapp wird oder wenn Rei­sen­de aus ande­ren Grün­den nicht rei­sen kön­nen oder wol­len (Wei­ler 2017). Mit Goog­le Arts & Cul­tu­re wer­den bereits über 200 Exkur­sio­nen wie etwa zur Chi­nesischen Mau­er oder zum Lou­vre ange­bo­ten; par­al­lel hier­zu wird an ‚Goog­le Visi­on‘, ei­ner Aug­men­ted Rea­li­ty App, sowie an ‚Goog­le Trips‘, einer Rei­se-App gear­bei­tet, wel­che durch Deep Lear­ning die ‚Custo­mer Jour­ney‘ ein­fa­cher, kun­den­freund­li­cher und individu­alisierter machen sol­len (Heck­mann 2017).

So wird die Digi­ta­li­sie­rung die Qua­li­tät der Pro­duk­te in jedem Fall ver­än­dern, gera­de dann, wenn Tei­le der Inter­ak­ti­on zwi­schen Kun­den und Anbie­tern ent­fal­len (Ser­vice­ro­bo­ter, On­line Check-in etc.). Für ein bestimm­tes Seg­ment von Kun­den sind sol­che Ver­än­de­run­gen sicher­lich wün­schens­wert, wäh­rend ande­re Seg­men­te wei­ter­hin die mensch­li­che Interak­tion bevor­zu­gen wer­den, wes­halb die Tou­ris­mus­bran­che bei der Pla­nung von trag­fä­hi­gen Zukunfts­kon­zep­ten die Wir­kung auf die Posi­tio­nie­rung und den wahr­ge­nom­me­nen Kun­dennutzen in jedem Fall berück­sich­ti­gen muss (Beiz und Sie­ger 2006; Sie­ger und Beri­tel­li 2018).

Dies­be­züg­lich gilt es dem­nach zu berück­sich­ti­gen, dass Rei­sen­de mit zuneh­men­der Digi­talisierung auch immer mehr das „off­line Sein“ in ihre Rei­se­plä­ne inte­grie­ren und dass ein zuneh­men­des Bedürf­nis nach Hei­mat, Loka­li­tät, Über­schau­bar­keit, Ent­schleu­ni­gung und Gesund­heit zu beob­ach­ten ist (Lei­cher 2018). Regio­nal­ty­pi­sche Ele­men­te wie Küche, Un­terkunftsform, Bau­wei­sen und Mate­ria­li­en tra­gen zur Iden­ti­täts­bil­dung und Dif­fe­ren­zie­rung bei und wer­den zum Posi­tio­nie­rungs­merk­mal (Pflü­ger et al. 2015). Auch gibt es bereits Hotels, wel­che sich durch den Ver­zicht auf Tech­nik aus­zeich­nen und in wel­chen Rei­sen­de bei­spiels­wei­se für die Dau­er ihres Auf­ent­hal­tes ihr Smart­pho­ne abge­ben (Digi­tal Detox). Damit ein­her­ge­hend wer­den zuneh­mend soge­nann­te „Licht­schutz­ge­bie­te“ (In Deutsch­land: Ster­nen­parks) aus­ge­wie­sen, in wel­chen die „Licht­ver­schmut­zung“ nachts auf ein Mi­nimum redu­ziert wird (Lei­cher 2018).

Neben die­sen Ent­wick­lun­gen exis­tie­ren in der Tou­ris­mus­bran­che jedoch auch Trends, auf wel­che die­se nicht steu­ernd ein­grei­fen kann und wel­che ins­be­son­de­re Aus­wir­kun­gen auf Rei­se­zie­le im Inland haben wer­den. Eine davon ist der demo­gra­fi­sche Wan­del, denn ge­genwärtig ist die Hälf­te der deut­schen Tou­ris­ten 50 Jah­re und älter. Davon ver­bringt gut ein Drit­tel sei­nen Urlaub im Inland, Ten­denz stei­gend (RKW 2011 ). Die Genera­ti­on der Baby­boo­mer wird in den nächs­ten 10 bis 15 Jah­ren in Ren­te gehen, Exper­ten gehen da­von aus, dass die­se Senio­ren mehr Zeit und somit auch mehr Zeit für Rei­sen zur Verfü­gung haben und künf­tig mit ent­spre­chen­den senio­ren­ge­rech­ten Ange­bo­ten umwor­ben wer­den (Lei­cher 2018).

Ein wei­te­rer Trend bzw. genau­er gesagt eine Ent­wick­lung, wel­che die Tou­ris­mus­bran­che vor gro­ße unter­neh­me­ri­sche Her­aus­for­de­run­gen stel­len wird, ist der Kli­ma­wan­del (Opa­schowski 2008). Er wird vor allem Tou­ris­ten­zie­le tref­fen, wel­che an attrak­ti­ve Naturland­schaften geknüpft sind. Bekann­te Orte am Mit­tel­meer wer­den im Som­mer zu heiß und tro­cken wer­den; ande­re, wei­ter nörd­lich gele­ge­ne Orte wer­den ihren Platz ein­neh­men (Joly 2012). Tou­ris­tisch betrach­tet wird die­se Ent­wick­lung Deutsch­land zugu­te­kom­men, da die Natur­land­schaf­ten zwi­schen den Mit­tel­ge­bir­gen und den Alpen auch in Zukunft für die Frei­zeit- und Tou­ris­mus­nut­zung attrak­tiv blei­ben wer­den (Lei­cher 2018). Ein wei­te­rer Trend kann der Raum­ent­wick­lung in Deutsch­land, vor allem den länd­li­chen Räu­men zu­gutekommen, so die­ser sinn­voll ange­gan­gen wird: Immer mehr Men­schen wer­den künf­tig in Städ­ten leben und auf dem Land Erho­lung suchen (Glad­win 2012; Roth und Schwark 2017).

Ange­sichts die­ses gezeich­ne­ten Bil­des kommt dem Tou­ris­mus dahin­ge­hend eine beson­dere Bedeu­tung inner­halb der Pla­nungs­re­gi­on Trier zu, als dass sich hier eine Viel­zahl der zuvor gezeich­ne­ten Sze­nen wie­der­fin­den. Die Stadt Trier (sowie das enge­re Umland) ist hoch urba­ni­siert, der sons­ti­ge Raum inner­halb der Regi­on ist jedoch stark länd­lich geprägt und ver­fügt über eine Viel­zahl von Natur­räu­men, wel­che bereits jetzt tou­ris­tisch stark ge­nutzt wer­den. Die Natur­räu­me der Eifel und des Huns­rück bie­ten sich für die Nah­erho­lung und den Wan­der­tou­ris­mus an; der Natio­nal­park Eifel ist bereits als Ster­nen­park ausge­zeichnet. Die Mosel ist eben­falls ein belieb­tes Aus­flugs­ziel, was sowohl den angren­zen­den Natur­raum als auch den Fluss­tou­ris­mus (Fluss­kreuz­fahr­ten) betrifft. Die Hang­la­gen der Mosel sind zudem ein tra­di­tio­nel­les Wein­bau­ge­biet und der Wein­tou­ris­mus ist bereits heu­te rele­vant für die Regi­on. Zuletzt fin­den sich in und um Trier zahl­rei­che anti­ke Bau­werke der Römer, wel­che eben­falls eine Groß­zahl von Tou­ris­ten anlo­cken.

Vor­stell­bar für die Pla­nungs­re­gi­on Trier ist dem­nach eine Erwei­te­rung tou­ris­ti­scher Ange­bote mit den Schwer­punk­ten Natur­er­leb­nis, Well­ness, Gesund­heit und Digi­tal Detox in den Natur­räu­men der Eifel, des Huns­rück und ent­lang der Mosel. Ähn­li­ches ist für tou­ris­ti­sche Zie­le zu erwar­ten, wel­che his­to­ri­sche Sehens­wür­dig­kei­ten erleb­bar machen. So könn­ten Tou­ris­ten künf­tig bei­spiels­wei­se mit­tels einer spe­zi­el­len Aug­men­ted Rea­li­ty App die Por­ta Nigra, das Amphi­thea­ter, die Ther­men etc. besich­ti­gen und zwi­schen der Ansicht von heu­te und der Ansicht einer digi­ta­len Rekon­struk­ti­on der Bau­wer­ke wech­seln. Sogar in­teraktive Stadt­füh­run­gen, z.B. durch einen römi­schen Statt­hal­ter, wer­den so ermög­licht. Beglei­tet wer­den sol­che Ange­bo­te durch Infor­ma­ti­ons­sys­te­me wie Übersetzungspro­gramme für aus­län­di­sche Tou­ris­ten, wel­che künf­tig ihre Urlau­be ver­stärkt im klimabegüns­tigten Rhein­land-Pfalz erle­ben.

Potenziale im Bereich Mobilität am Beispiel der Planungsregion Westpfalz

Digi­ta­li­sie­rung und Künst­li­che Intel­li­genz ver­spre­chen im Bereich Mobi­li­tät sinn­vol­le Lö­sungen und Ver­ein­fa­chun­gen von Pro­zes­sen durch intel­li­gen­te Aus­wer­tung von Mobili­tätsdaten. Hin­zu kom­men Inno­va­tio­nen in den Berei­chen Sen­sor- und Navigationstechno­logie, die Ver­net­zung von Lebens­räu­men durch das loT und zuneh­mend das loS (Inter­net of Ser­vices). Ver­mehrt wird auf den Ein­satz von Aug­men­ted Rea­li­ty und Visualisierungs­techniken gesetzt, wie etwa die simu­lier­te tages­hel­le Stra­ßen­füh­rung in der Nacht. Hier­bei suchen Unter­neh­men und Behör­den Wege zur intel­li­gen­ten Ver­net­zung aller Betei­lig­ten, lokal bis inter­na­tio­nal, sodass auch das (teil-)autonome Fah­ren in greif­ba­re Nähe rückt (Arndt 2018; Bau­er et al. 2018; Flüg­ge 2016).

(Foto: Schwar­ze)

Zukunfts­sze­na­ri­en im Bereich Mobi­li­tät beschäf­ti­gen sich neben dem auto­no­men Fah­ren und alter­na­ti­ven Antriebs­tech­no­lo­gi­en häu­fig auch mit der Sha­red Eco­no­my bzw. Sha­red Mobi­li­ty. Die Sha­red Eco­no­my, also die gemein­sa­me Nut­zung eines Wirt­schafts­gu­tes wie etwa eines pri­va­ten Kraft­fahr­zeugs, wird pro­gnos­tisch ein hohes Wachs­tum erfah­ren, was die Wer­tig­keit von Besitz und Nut­zung ver­schie­ben und die lnfra­struk­tur­nut­zung reduzie­ren wird. Neben dem jetzt schon genutz­ten Car-Sharing wird über wei­te­re Trans­port- und Beför­de­rungs­al­li­an­zen reflek­tiert, bei­spiels­wei­se die Fusi­on von Nah­ver­kehr und Paket­dienst in unre­gel­mä­ßig fre­quen­tier­ten Räu­men (Flüg­ge 2016, 1ff; 8). Hier­an ange­lehnt fin­den sich auch bedarfs­ori­en­tier­te, digi­tal gestütz­te Kon­zep­te für den öffent­li­chen Nah­verkehr, die ohne fes­te Hal­te­stel­len und Fahr­plä­ne aus­kom­men und sich an die individu­ellen Ansprü­che der Nut­zer anpas­sen (Klötz­ke 2018).

Dabei ist die Auf­recht­erhal­tung des öffent­li­chen Nah­ver­kehrs gera­de im länd­li­chen Raum eine öko­no­mi­sche Her­aus­for­de­rung für vie­le Kom­mu­nen und Gemein­den. Chan­cen lie­gen zum Bei­spiel in Advan­ced Rural Trans­por­ta­ti­on Sys­tems (ARTS), die Daten über Ver­kehrsaufkommen, Ver­kehrs­ver­hal­ten sowie Typi­sie­rung und Anzahl von Ver­kehrs­mit­teln erfas­sen, sam­meln und aus­wer­ten, um Pro­gno­sen stel­len zu kön­nen. Dazu kön­nen, bei Zustim­mung, die Smart­pho­nes der Ver­kehrs­teil­neh­mer zur Ablei­tung von Bewegungs­mustern genutzt wer­den. Es braucht aller­dings Emp­feh­lungs- und Entscheidungsparame­ter und dar­auf auf­bau­en­de Betriebs­pro­zes­se, die dann auch tat­säch­lich zu einer Umset­zung füh­ren. Die Aus­wer­tung allei­ne wird nicht aus­rei­chen.

Die­se neu­en Mobi­li­täts­kon­zep­te sind ins­be­son­de­re für die Pla­nungs­re­gi­on West­pfalz re­levant, die durch dich­te Wald­ge­bie­te (Pfäl­zer­wald) und aus­ge­präg­te Hügel­land­schaf­ten (Nord­pfäl­zer Berg­land) cha­rak­te­ri­siert ist und sich über­wie­gend als länd­li­che Regi­on prä­sentiert, was Her­aus­for­de­run­gen in der Nah­ver­sor­gung und im Nah­ver­kehr birgt. Die re­lativ gerin­ge Anzahl an Mit­tel- und Grund­zen­tren ver­deut­licht die all­ge­mein dünn besie­delte Struk­tur der Regi­on (PGW 2013), deren Bevöl­ke­rung bis 2035 um 9,9 % zurückge­hen wird (Böck­mann et al. 2015).

Soll also die Nah­ver­sor­gung und die Lebens­qua­li­tät in länd­li­chen Räu­men wie der Regi­on West­pfalz via Mobi­li­tät gewähr­leis­tet wer­den kön­nen, müs­sen zunächst Verkehrsverhal­ten, genutz­te Ver­kehrs­mit­tel und sinn­vol­le Wert­schöp­fungs­ket­ten eru­iert wer­den. Denk­bar ist somit, dass künf­tig im Sin­ne der Sha­red Eco­no­my z.B. Fahr­ten des öffent­li­chen Nah­verkehrs und Lie­fe­run­gen von Trans­port­diens­ten kom­bi­niert wer­den, damit eine Versor­gung nied­rig­fre­quen­tier­ter Orte effi­zi­ent gewähr­leis­tet wer­den kann. oder dass sich der Per­so­nen­nah­ver­kehr künf­tig mit­tels auto­no­mer Sharing-Taxis durch den Pfäl­zer Wald be­wegt. Auch könn­ten, wie in den Digi­ta­len Dör­fern, über Bestell­Bar, Lie­fer­Bar und den Dorf­funk via App Fahr- und Ein­kaufs­ge­mein­schaf­ten gegrün­det wer­den.

Die­ser Bei­trag ist ein Aus­zug aus der „Gut­ach­ter­li­chen Stel­lung­nah­me zu den Aus­wir­kun­gen künst­li­cher Sys­te­me und der Digi­ta­li­sie­rung auf das kom­mu­na­le Leben in Rhein­land-Pfalz 2050“. Die gesam­te Stu­die steht unter ea​-rlp​.de/​e​a​r​l​p​d​i​g​i​t​a​l​2​019 zum Down­load als PDF (88 Sei­ten, 18 MB) bereit.

Aus­zug 1 – Künst­li­che Intel­li­genz: Kon­zep­te und Tech­no­lo­gi­en
Aus­zug 2 – Fünf Bei­spie­le: Chan­cen durch KI in Land­wirt­schaft, Gesund­heit, Ehren­amt, Tou­ris­mus und Mobi­li­tät in RLP
Aus­zug 3 – Sze­na­ri­en für Rhein­land-Pfalz: Zwi­schen Dys­to­pie und Uto­pie

Zusam­men­fas­sung

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