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Baukultur mit Liebe zum Detail: Historisches Schifferhaus in Kaub

Heute im Inneren vereint: Schiffer- und Rotes Haus. (Foto Dirk Melzer)

Gegen­über der brei­ten Front der Simul­tan­kir­che in Kaub, in Sicht­wei­te zum Markt­platz mit Brun­nen, dem brei­ten Haus der Apo­the­ke und der Bäcke­rei, zieht ein dun­kel­rot leuch­ten­des schma­les Haus mit dia­go­nal gestreif­ten Fens­ter­lä­den die Bli­cke auf sich. Das hel­le Haus dane­ben fällt dage­gen erst beim Näher­kom­men auf, denn es ver­steckt sich hin­ter zwei schwe­ren Kano­nen und einem Ehren­mal mit Adler am Lin­den bestan­de­nen Platz.

Heute im Inneren vereint: Schiffer- und Rotes Haus. (Foto Dirk Melzer)
Heu­te im Inne­ren ver­eint: Schif­fer- und Rotes Haus. (Foto Dirk Melzer)

Von der Außen­wand des rech­ten Hau­ses schaut ein stei­ner­ner Kopf auf die Pas­san­ten hin­un­ter: Ein Fund­stück, wel­ches der heu­ti­ge Eigen­tü­mer als 12-Jäh­ri­ger im Paters­ber­ger Wein­berg bei St. Goa­r­s­hau­sen fand und mit nach Hau­se nahm. Bevor die­ser gut gehü­te­te Schatz vie­le Jah­re spä­ter Teil des umge­stal­te­ten His­to­ri­schen Schif­fer­hau­ses in Kaub wur­de, zier­te er den Schreib­tisch des Jun­gen und ver­an­lass­te ihn zu wei­te­ren Recherchen. 

Die Spolie eines Wandersmannes begrüßt Passanten und die Gäste des Hauses. (Foto: Andrea Schwappach)
Die Spo­lie eines Wan­ders­man­nes begrüßt Pas­san­ten und die Gäs­te des Hau­ses. (Foto: Andrea Schwappach)

Die Feder am Hut wies den in Stein gemei­ßel­ten Men­schen als Wan­ders­mann aus und die koni­sche Form der Rück­sei­te, die heu­te in der Wand des sanier­ten Schif­fer­hau­ses ver­bor­gen ist, ließ dar­auf schlie­ßen, dass es sich um den Abschluss­stein aus dem Tor eines Barock­hau­ses han­del­te. Die Geschich­te der Spo­lie erzählt bereits viel über den heu­ti­gen Eigen­tü­mer und Ver­mie­ter des His­to­ri­schen Schif­fer­hau­ses: den Land­schafts­ar­chi­tek­ten und Umwelt­in­ge­nieur Dirk Mel­zer. Denn ohne den unbe­ding­ten Wil­len, ein pas­sen­des Haus in Kaub zu fin­den, und den krea­ti­ven Impuls zur Sanie­rung und indi­vi­du­el­len Gestal­tung, wären die unter­schied­li­chen his­to­ri­schen Schich­tun­gen, die das heu­ti­ge Bild des Gebäu­de­en­sem­bles prä­gen, ver­mut­lich nie zum Vor­schein gekommen.

Der Großvater von Dirk Melzer führte bis 1980 das Eisenwarengeschäft Colonius in St. Goarshausen, aus dem einige Sammlerstücke wie auch das kolorierte Foto links über dem Schreibtisch stammt. (Foto: Andrea Schwappach)
Der Groß­va­ter von Dirk Mel­zer führ­te bis 1980 das Eisen­wa­ren­ge­schäft Colo­ni­us in St. Goa­r­s­hau­sen, aus dem eini­ge Samm­ler­stü­cke wie auch das kolo­rier­te Foto links über dem Schreib­tisch stammt. (Foto: Andrea Schwappach)

Da auf den übli­chen Immo­bi­li­en­platt­for­men nichts zu fin­den war, was Dirk Mel­zers Vor­stel­lun­gen ent­sprach, schau­te er nach Leer­stän­den, schrieb auf, wo er was fand und kon­tak­tier­te den Bür­ger­meis­ter von Kaub. Die­ser ver­mit­tel­te ihn an Hil­de Kir­dorf, Kapi­täns­toch­ter und Wit­we eines Lot­sen, deren Eltern­haus am Markt leer stand. Zunächst mie­te­te Dirk Mel­zer das Haus und begann sich den Ursprün­gen und vie­len Schich­ten unter­schied­li­cher Jahr­zehn­te und Bewoh­ner zu wid­men: von den Jugend­stil­fens­tern und Läden, dem Zement­plat­ten­bo­den im Ein­gang, der heu­te moos­grün lackier­ten alten Trep­pe, der oran­ge- gel­ben Blüm­chen­ta­pe­te auf Sperr­holz, hin­ter der eine mas­si­ve Wand mit Lehm­putz auf Schilf zum Vor­schein kam, bis zur fleisch­far­be­nen Lam­bris, einer hüft­ho­hen Holz­ver­klei­dung in der Küche. 

Durch die Bewah­rung der Schich­ten des Alten, die Über­la­ge­rung von Mate­ria­li­en und Far­ben sowie das eklek­ti­zis­ti­sche Mit­ein­an­der von Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­den, Fund- und Sam­mel­stü­cken, ent­stand ein Wohn- und Feri­en­haus, wel­ches das Ges­tern und Heu­te ver­bin­det: Ein Fens­ter in die Geschich­te gepaart mit zeit­ge­nös­si­scher Kunst und viel Lie­be zum Detail!