Speyer (Pfalz) – Wie viel Strom aus Photovoltaik wird in der Stadt erzeugt? Wie viel CO2 wird dadurch vermieden? Und wie viele Straßenlaternen wurden schon auf energieeffiziente LED-Technik umgestellt? Darauf und auf weitere Fragen gibt der Nachhaltigkeitsmonitor der Stadt Speyer Antwort. So erfahren Interessierte einfach und zentral, was die Stadt und ihre Betriebe aktuell zur Ressourcenschonung unternehmen.

Die 17 Ziele der Vereinten Nationen als Anlass
Im Jahr 2015 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Agenda 2030. Darin verpflichteten sich 193 Staaten, bis 2030 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen. So soll allen Menschen ein Leben in Würde gesichert werden.
Neben Themen wie Armutsbekämpfung, Menschenrechten und Selbstbestimmung stehen dabei besonders die ökologischen Grenzen unseres Planeten im Fokus. So hat sich Deutschland verpflichtet, den Klimawandel zu bekämpfen und nachhaltiger mit Ressourcen umzugehen.
Die Stadt Speyer, die Stadtwerke Speyer und die Metropolregion Rhein-Neckar sahen dies als Anlass, über die Umsetzung der Ziele nachzudenken: Welche Maßnahmen sind schon verwirklicht, welche sollten bald angegangen werden? Dabei sollte auch die Öffentlichkeit eingezogen werden: Die Speyerer:innen sollten sehen, was im Bereich Nachhaltigkeit unternommen wird und was bereits erreicht wurde.
Beschreibung des Projektes
Die Metropolregion Rhein-Neckar brachte die Idee eines ‚Dashboards‘ für Nachhaltigkeit ein: Eine zentrale Übersichtsseite, die relevante Daten zusammenführt und möglichst in Echtzeit darstellt. So sollten einerseits Entscheidungsträger:innen und Mitarbeiter:innen eine Übersicht erhalten, um datenbasiert zu handeln. Andererseits sollten interessierte Bürger:innen sehen können, was aktuell für Klimaschutz und Ressourcenschonung unternommen wird.
Im ersten Schritt wurde geprüft, welche vorhandenen Datensätze für eine solche Übersichtsseite relevant sein könnten. Dabei wurde analysiert, welche Daten für die Öffentlichkeit interessant sind und welche ausschließlich intern genutzt werden sollten.
Besonders relevant für die Öffentlichkeit waren Verkehrsdaten, etwa zur Belegung der E‑Auto-Ladesäulen oder der Parkplätze. Beide Datensätze lagen den Stadtwerken Speyer auch vor. Dank der Online-Darstellung der Parkplatzbelegung konnte der Suchverkehr verringert werden. Besucher:innen können sich vorab informieren, auf welchen Parkplätzen noch freie Plätze verfügbar sind: Mehr Komfort für die Besucher:innen, weniger Verkehr und CO2-Ausstoß für die Umwelt.
Ebenso sollten Interessierte erfahren können, wie viel Strom bereits auch erneuerbaren Energien erzeugt wird. Bis 2030 will Speyer rechnerisch den gesamten Strombedarf im Stadtgebiet selbst decken.
Als eines der am längsten laufenden Nachhaltigkeitsprojekte wurde als weiteres wichtiges Thema die Umstellung der städtischen Beleuchtung auf LED-Technik.
Die Daten werden bei der Metropolregion Rhein-Neckar gesammelt und anschließend zentral im Nachhaltigkeitsmonitor der Stadtwerke Speyer dargestellt.
Wie funktioniert es?
Die Stadtwerke Speyer betreiben ein stadtweites LoRaWAN-Netz (Long Range Wide Area Network). Dieses ermöglicht die Übertragung kleiner Datenmengen, wie zum Beispiel Messdaten von Sensoren, über große Entfernungen und mit geringem Energieaufwand. Damit werden in Speyer unter anderem Zählerstände oder auch die Energieerzeugung der örtlichen Photovoltaik-Anlagen erfasst.
Die Daten werden anschließend an das Datenbanksystem der Metropolregion Rhein-Neckar übertragen, dort aufbereitet und an die verschiedenen Dashboards ausgegeben, unter anderem an den öffentlich zugänglichen Nachhaltigkeitsmonitor.
Der Nachhaltigkeitsmonitor bietet Informationen zu drei Bereichen des nachhaltigen Wirtschaftens: Er zeigt in Echtzeit die Belegung der öffentlichen Parkplätze und hilft den Nutzer:innen, ihre Parkplatzsuche effizient zu planen. Auch Zeitreihen sind verfügbar, die eine Betrachtung der Parkplatzbelegung im zeitlichen Verlauf ermöglichen.
Im Bereich PV-Anlagen kann man die Entwicklung der fertiggestellten Photovoltaik-Anlagen sowie deren Strom-Einspeisung tagesaktuell einsehen. Gleichzeitig wird angezeigt, wie viele Tonnen CO2 durch die Anlagen eingespart werden.
Der dritte Bereich behandelt die Umstellung der städtischen Beleuchtung auf LED-Technik. Die Einführung wird dort im Zeitverlauf visualisiert.
Bis vor Kurzem zeigte das Dashboard auch die Belegung der E‑Auto-Ladesäulen, sodass freie Lademöglichkeiten bequem online gefunden werden konnten. Diese Funktion ist aktuell aufgrund eines Betreiberwechsels deaktiviert, soll jedoch bald wieder verfügbar sein.
Zusätzlich zum öffentlichen Nachhaltigkeitsmonitor gibt es themenspezifische Dashboards, die Abteilungen der Stadtverwaltung und Stadtwerke Speyer für Auswertung und Steuerung nutzen. So kam zum Beispiel während der Corona-Pandemie ein Dashboard zur CO2-Belastung in den Schulen zum Einsatz, um die Infektionsschutzmaßnahmen besser zu steuern.

Nicht nur interessante Infos zur Verbesserung der Nachhaltigkeit findet man auf dem Nachhaltigkeitsmonitor in Speyer. Man sieht auch schnell, ob sich die Fahrt zum geplanten Parkplatz noch lohnt oder ob man besser woanders parkt. Die Umwelt und die eigenen Nerven freut’s.
Was hat sich durch das Projekt geändert?
Der Nachhaltigkeitsmonitor gibt den Einwohner:innen einen klaren Überblick über die bisherigen Erfolge im nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Gleichzeitig hat er auch einen praktischen Nutzen: Die Parkplatzsuche wird deutlich erleichtert.
Arbeiten im Hintergrund wie der Aufbau des LoRaWAN, die Entwicklung der Datenübertragung und ‑verarbeitung sowie die Einrichtung der Dashboard-Infrastruktur bilden die Grundlage für zukünftige Smart-City-Projekte.
So soll auf dieser Basis ein digitaler Zwilling der Stadt entwickelt werden. Durch die Einbindung könnte man zum Beispiel in Echtzeit erfassen, wie viel Strom Photovoltaik-Anlagen bei verschiedenen Wetterlagen liefern und wie das Mikroklima in den einzelnen Stadtbereichen aussieht.
Es wird auch überlegt, das LoRaWAN für private Sensoren zu nutzen. So könnten auch Bürger:innen ihre Sensordaten bereitstellen, um ein umfassenderes Bild über das städtische Klima zu haben.
Aktuell wird der Nachhaltigkeitsmonitor im Hintergrund überarbeitet.
So wurde es gemacht
Ziel
Der Nachhaltigkeitsmonitor soll der Öffentlichkeit zeigen, welche Themen Stadtverwaltung und Stadtwerke Speyer aktuell im Bereich Nachhaltigkeit bearbeiten. Gleichzeitig soll er motivieren, wie jede:r Einzelne zu einem nachhaltigeren Speyer beitragen kann. Ganz konkret soll auch deutlich werden, dass die PV-Anlagen in Speyer auch bei schlechtem Wetter Strom liefern.
Vorgehen
Stadtwerke und Verwaltung organisierten zunächst einen gemeinsamen Workshop. Dabei wurde diskutiert, welche Daten verfügbar sind, welche für die Verwaltung und die Stadtwerke relevant sind und welche besonders die Bürger:innen interessieren. Dabei wurden verschiedene Themenbereiche identifiziert: die Belegung der Parkplätze und der E‑Auto-Ladesäulen, die Anzahl und Stromeinspeisung der Photovoltaik-Anlagen sowie der Anteil stromsparender LED-Lampen an der städtischen Beleuchtung.
Es wurde eine Projektgruppe gebildet, die sich mit dem Thema des Datenaustausches befasste. In mehreren Abstimmungsrunden zwischen Stadtwerken, Stadtverwaltung und der Metropolregion wurde die Verarbeitung der Sensordaten bis zum fertigen Dashboard präzise ausgearbeitet. Es wurde deutlich, dass einige Daten, wie die Belegung der Parkplätze und Ladesäulen, in Echtzeit erforderlich sind. Andere, wie die Stromeinspeisung aus Photovoltaik, reichen vorerst tagesaktuell aus. Diese Daten konnten auch automatisiert bereitgestellt werden. Die Daten zu den fertiggestellten PV-Anlagen und der Anteil der LED-Beleuchtung werden aktuell noch manuell eingetragen.
Anschließend wurde in einem weiteren Workshop die Darstellung der Daten erarbeitet. Ziel war es ein möglichst ansprechendes und verständliches Design für den Nachhaltigkeitsmonitor zu erstellen.
Die Daten-Infrastruktur der Metropolregion diente als zentrale Schnittstelle zwischen der Datenerfassung und der grafischen Darstellung auf den Dashboards.
Aufwand
Rückblickend erwies sich der Aufwand als größer als zunächst erwartet. Die Datenübertragung, ‑aufbereitung und ‑verarbeitung stellten sich aufgrund der unterschiedlichen Datenquellen als komplex heraus. Die Gesamtkosten des Projekts lagen im fünfstelligen Bereich, wobei der Großteil in die Konzeption und die Visualisierung der Daten sowie die Dateninfrastruktur floss. Die laufenden Kosten sind dagegen gering.
Die derzeitige Überarbeitung findet im Rahmen des Förderprojektes ‚Digitaler Zwilling‘ statt.
Verantwortliche
Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit zwischen den Stadtwerken, der Stadtverwaltung und der Metropolregion umgesetzt.
Die Stadtwerke liefern die Daten und bereiten sie für die weitere Nutzung auf. Die Metropolregion Rhein-Neckar stellt die technische Infrastruktur für die Datenverarbeitung zur Verfügung. Die Stadtverwaltung koordiniert das Projekt und fungierte als Schnittstelle zur Stadtgesellschaft.
Erfolgsfaktoren
Erfahrungen aus der Mein Speyer-App halfen bei der erfolgreichen Umsetzung ähnlicher Projekte. Hier konnte auf einige Vorarbeiten zurückgegriffen werden, wie zum Beispiel zur Echtzeiterfassung der Parkplatzbelegung.
Hilfreich war, dass trotz der komplexen Situation schnell erste Ergebnisse erzielt werden konnten, die das Team weiter motivierten.
Ein zentraler Erfolgsfaktor war die intensive und konstruktive Zusammenarbeit zwischen den drei Partnern. Die Partner diskutierten offen über verschiedene Ansätze zur Umsetzung.
Stolpersteine
Ein zentraler Stolperstein war die Bereitstellung der Daten, die teilweise mühsam gesammelt werden mussten. Einige Dateninhaber mussten erst von der Herausgabe überzeugt werden. Eine weitere Herausforderung war die Harmonisierung der Datenformate, da die vorliegenden Daten oft in unterschiedlichen Strukturen vorlagen.
Derzeit fehlt es vor allem auf Seiten der Verwaltung an personellen Ressourcen, um das Projekt weiter voranzutreiben. So ist die Verknüpfung mit Wetterdaten noch in Planung. Durch das neue Förderprojekt des Digitalen Zwillings erwarten die Verantwortlichen aber neue Impulse für das Projekt.
Ansprechpartner
Sollten Sie Fragen zum Projekt haben, können Sie sich an folgenden Ansprechpartner wenden:
Stadtwerke Speyer
Georg Weyrich
Tel: 06232÷625−2080
E‑Mail: georg.weyrich@stadtwerke-speyer.de
Stadtverwaltung Speyer
Maike Threin
Tel: 06232÷14−2030
E‑Mail: Maike.Threin@Stadt-Speyer.de
Für die Redaktion des Digital-Newsletters ist die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz e. V. verantwortlich.
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