Verbandsgemeinde Nieder-Olm (Rheinhessen) – Wie vermittelt man den Spaß am Reparieren? Wie kann man Kindern schon früh nachhaltigen Konsum vermitteln? Wie kann man Fingerfertigkeit und Selbstwirksamkeit fördern? In der Verbandsgemeinde Nieder-Olm besuchen die Freiwilligen des Repaircafés regelmäßig Kindergärten und reparieren gemeinsam mit den Kindern kaputtes Spielzeug und Alltagsgegenstände. Das Projekt ist so erfolgreich, dass daraus ein Leitfaden zur Nachahmung entstanden ist.

Repaircafés – Reparieren statt neu kaufen
Repaircafés oder Reparaturcafés sind ehrenamtliche Initiativen zur Instandsetzung defekter Alltagsgegenstände. Bürgerinnen und Bürger bringen kaputte Geräte, Kleidung oder Spielzeug mit. Fachkundige Freiwillige unterstützen sie bei der Reparatur. Dieses Angebot ist in der Regel kostenlos. Im Mittelpunkt steht der nachhaltige Umgang mit Ressourcen. Reparieren schont die Umwelt und vermeidet Abfall. Gleichzeitig sparen die Teilnehmenden Geld für Neuanschaffungen. Die Initiativen stärken zudem den sozialen Zusammenhalt in der Gemeinde und über Generationen hinweg.
Die Formate dieser Initiativen variieren stark. Einige bieten feste Sprechstunden in Werkstätten oder „Makerspaces“ an. Andere organisieren „wandernde“ Termine in verschiedenen Ortsteilen. In Rheinland-Pfalz gibt es mittlerweile über 80 dieser Gemeinschaften.
Im Oktober 2025 veröffentlichte die Entwicklungsagentur eine Broschüre über rheinland-pfälzische Makerspace-Initiativen und Repaircafés: Makerspaces und Repaircafés in Rheinland-Pfalz – Gestalten, Reparieren, Verwirklichen.
Seit Herbst 2022 organisiert das Verbraucherschutzministerium gemeinsam mit dem Klimaschutzministerium den „Runden Tisch Reparatur Rheinland-Pfalz“. Dieser hat zum Ziel, das Thema Recht auf Reparatur landesweit zu stärken und Akteure zu vernetzen.
In der Verbandsgemeinde Nieder-Olm in Rheinhessen gibt es mit dem dortigen Repaircafé eine solche Initiative. Und dort werden schon die Jüngsten an das Thema Nachhaltigkeit herangeführt.
Beschreibung des Projektes
Das Repaircafé in der Verbandsgemeinde Nieder-Olm ist ein regionaler Vorreiter. Der dortige Seniorenbeirat rief die Initiative bereits im Jahr 2015 ins Leben. Heute engagieren sich dort rund 30 Freiwillige an wechselnden Orten in der Verbandsgemeinde.
Jeden Monat findet in einer der acht Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde ein Repaircafé statt. Mit Hilfe der Freiwilligen konnten so schon über 4.000 Nähmaschinen, CD-Spieler, Stoffteddys und viele andere Gegenstände repariert werden.
Der dortige Seniorenbeirat gründete die Initiative mit dem Ziel, Müll zu vermeiden, Ressourcen zu schonen und handwerkliches Wissen zu bewahren. Um das Bewusstsein für Nachhaltigkeit bereits im frühen Kindesalter zu verankern, suchten die Ehrenamtlichen die Kooperation mit den örtlichen Kindertagesstätten.
Die erste Aktion startete bereits im Oktober 2015 in der Kita „Haus der kleinen Künstler“ in Nieder-Olm. Hier reparierten erfahrene Handwerker gemeinsam mit den Kindern kaputtes Spielzeug wie Autos, Puppen oder kleine CD-Player. Die Erzieherinnen und Erzieher integrierten den Besuch des Reparatur-Teams in den pädagogischen Alltag der Einrichtung. Sie bereiteten die Kinder gezielt auf das Thema vor und reflektierten die Erlebnisse anschließend.
Aufgrund der positiven Resonanz bei Kindern, Eltern und dem pädagogischen Personal entwickelte sich aus dem Pilotversuch die feste Veranstaltungsreihe „Repair Café trifft Kita“. Inzwischen fand das Projekt über 30-mal in der Verbandsgemeinde statt. Die langjährige Erfahrung der Beteiligten mündete schließlich in einem detaillierten Leitfaden. Dieser dient nun als praxisnahe Vorlage, um das Konzept auch in anderen Kommunen und Kindertagesstätten erfolgreich umzusetzen.
Wie funktioniert es?
Der Erfolg der Aktion beruht auf einer engen Abstimmung zwischen dem Team des Repaircafés und der jeweiligen Kindertagesstätte. Am Anfang steht ein gemeinsames Vorbereitungsgespräch. Eine spezielle Mindmap aus dem Leitfaden dient dabei als Orientierungshilfe. Hier klären die Beteiligten alle organisatorischen Fragen: Vom passenden Termin, den Räumlichkeiten bis zur pädagogischen Einbettung in den Kita-Alltag.
Die Erzieherinnen und Erzieher informieren die Eltern vorab per Elternbrief über die geplante Aktion. Ein zentraler Punkt ist die Vorabfrage zu den defekten Gegenständen: Die Eltern tragen beispielsweise in einer Liste ein, welchen defekten Gegenstand ihr Kind zur Reparatur mitbringt. Diese Information ist für die Ehrenamtlichen entscheidend. So bringen sie bereits am Einsatztag das passende Werkzeug sowie notwendige Kleinteile wie Batterien, Schrauben oder speziellen Klebstoff mit.
Am Aktionstag selbst steht das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund. Das Team besteht meist aus vier bis sechs ehrenamtlichen Reparatur-Experten. Pro Fachkraft nehmen maximal ein bis drei Kinder an der Reparatur teil. Die Kinder sind dabei keine bloßen Zuschauer: Die Kinder diskutieren mögliche Reparaturmaßnahmen mit den ehrenamtlich Aktiven des Repaircafés oder führen einfache Arbeitsschritte selbst durch. Die Kita stellt hierfür die nötige Schutzausrüstung wie Kittel und, falls notwendig, auch Schutzbrillen bereit.
Nach der aktiven Phase folgt die Nachbereitung. Das Kita-Team reflektiert das Erlebte gemeinsam mit den Kindern, zum Beispiel im Morgenkreis. Auch das Reparatur-Team und die Kita-Leitung tauschen sich im Nachgang aus, um zukünftige Termine weiter zu optimieren. Das gesamte Angebot ist für die Kinder und die Kindertagesstätten vollkommen kostenfrei.

Bei „Repair Café trifft Kita“ sind die Kinder nicht nur passive Zuschauer. Sie überlegen zusammen mit den Ehrenamtlichen, wie die defekten Gegenstände repariert werden können. Und helfen anschließend auch bei der Reparatur. So erleben sie Selbstwirksamkeit und üben Geduld, Ausdauer und die Fähigkeit zur Problemlösung.
Was hat sich durch das Projekt geändert?
Aus einer Pilotaktion ist ein festes Angebot für die gesamte Verbandsgemeinde geworden. In der Verbandsgemeinde fand das Projekt bereits über 30-mal statt. Die Kommune profitiert heute von einem lebendigen Mehrgenerationenprojekt: Senioren geben ihr handwerkliches Wissen direkt an die Jüngsten weiter. Das stärkt den sozialen Zusammenhalt und fördert den Austausch zwischen den Altersgruppen.
Für die pädagogische Arbeit in den Kitas bietet das Projekt neue Impulse. Die Kinder gewinnen wichtige Alltagskompetenzen. Sie lernen den sicheren Umgang mit Werkzeugen und verbessern spielerisch ihre Feinmotorik. Besonders wertvoll ist die Erfahrung der Selbstwirksamkeit: Die Kinder erleben, dass sie Dinge durch eigenes Handeln bewahren können. Das fördert die Geduld, Ausdauer und die Fähigkeit zur Problemlösung.
Auch die ökologische Bilanz ist positiv. Mit einer Erfolgsquote von über 70 Prozent rettet die Initiative hunderte Spielzeuge vor dem Müll. Das spart Ressourcen und vermittelt schon den Kleinsten einen bewussten Umgang mit Konsumgütern.
Das Projekt steigert zudem die Sichtbarkeit des ehrenamtlichen Engagements. Regelmäßige Berichterstattungen in der Lokalpresse sorgen für ein positives Image der beteiligten Kitas und der Gemeinde.
Dank des neu entwickelten Leitfadens ist das Konzept nun eine geprüfte Blaupause. Andere Kommunen können das Modell ohne hohen Planungsaufwand übernehmen und so Nachhaltigkeit direkt in ihre Bildungsarbeit integrieren. Die aktuellste Version des Leitfadens kann auf der Homepage des Ministeriums heruntergeladen werden.
So wurde es gemacht
Ziel
Das Projekt verfolgt das Ziel, das Thema Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung bereits in der frühen Kindheit fest zu verankern. Kinder sollen spielerisch lernen, dass defekte Gegenstände wertvoll sind und sich eine Reparatur gegenüber dem Neukauf lohnt. Damit wirkt das Vorhaben der modernen Wegwerfmentalität entgegen.
Ein weiteres zentrales Ziel ist die Förderung der kindlichen Selbstwirksamkeit. Durch die aktive Mitarbeit erfahren die Kinder, dass sie Probleme eigenständig lösen können. Dies stärkt ihr Selbstvertrauen, ihre Feinmotorik und ihr technisches Verständnis.
Vorgehen
Die Umsetzung beginnt mit einem strukturierten Vorbereitungsgespräch zwischen dem Team des Repaircafés und der Kita-Leitung. Als zentrales Werkzeug dient dabei eine Mindmap, mit der die Beteiligten den organisatorischen Rahmen festlegen. Sie klären die räumlichen Gegebenheiten, den zeitlichen Ablauf und die Zuständigkeiten für die Öffentlichkeitsarbeit.
Ein entscheidender Schritt ist die Information der Eltern durch einen Elternbrief. Um den Materialbedarf zu planen, fragt die Kita hierbei auch ab, welche defekten Gegenstände die Kinder mitbringen werden. So wissen die ehrenamtlichen Experten genau, ob sie speziellen Kleber für Holz, Metall oder Kunststoff sowie Batterien, Ersatzkabel, Nähzeug oder andere spezielle Teile mitbringen müssen. Die Kita sorgt parallel für die pädagogische Vorbereitung. Die Räumlichkeiten werden auch mit entsprechender Schutzausrüstung wie Kittel, Einmalhandschuhe und Schutzbrillen vorbereitet.
Am Aktionstag selbst achten die Verantwortlichen besonders auf den zeitlichen Ablauf. Dabei wird insbesondere auf die Aufmerksamkeitsdauer geachtet. Die ehrenamtlichen Reparateure folgen dabei klaren Verhaltensregeln: Sie erklären ihre Arbeit kindgerecht und „auf Augenhöhe“, setzen aber auch deutliche Grenzen beim Umgang mit gefährlichem Werkzeug. Ein fester Ansprechpartner der Kita bleibt während der gesamten Zeit im Raum, um die Interaktion zwischen den Generationen zu moderieren.
Im Nachgang erfolgt eine Reflexion mit den Kindern und das Feiern der erfolgreichen Reparaturen. Außerdem tauschen sich Reparatur-Team und Kita-Personal aus, um zukünftige Veranstaltungen zu optimieren.
Eine detaillierte Anleitung gibt es im Leitfaden des „Runden Tisches Reparatur“.
Aufwand
Das Projekt zeichnet sich durch einen minimalen finanziellen Bedarf aus. Weder für die Kindertagesstätten noch für die Eltern fallen Teilnahmegebühren an. Die ehrenamtlichen Experten bringen ihre eigenen Werkzeuge zu den Terminen mit. Notwendige Kleinteile wie Batterien, Schrauben, Nähzeug oder spezielle Klebstoffe stellt das Repaircafé bereit.
Der zeitliche Aufwand für die pädagogischen Fachkräfte bleibt überschaubar. Er beschränkt sich im Wesentlichen auf das Vorbereitungsgespräch sowie das Versenden der Elternbriefe und das Aushängen der Listen. Am Aktionstag begleiten die Erzieherinnen und Erzieher die Veranstaltung im Rahmen ihrer regulären Arbeitszeit.
Auf Seiten der Ehrenamtlichen engagieren sich pro Termin meist vier bis sechs Personen. Dazu kommen die Vorbereitungsarbeiten.
Die Nutzung des Leitfadens reduziert zudem die Planungszeit für solche Veranstaltungen, da er eine klare Ablaufanleitung und Formulierungshilfen enthält.
Verantwortliche
Das Projekt beruht auf einer engen Zusammenarbeit zwischen dem ehrenamtlichen Repaircafé und dem Team der jeweiligen Kindertagesstätte. Die fachliche Verantwortung liegt beim Repaircafé. Diese Experten bringen ihr handwerkliches Wissen ein und stellen das erforderliche Werkzeug sowie Kleinteile und Materialien zur Verfügung.
Die Leitung der jeweiligen Kita übernimmt die organisatorische Verantwortung vor Ort und legt den zeitlichen Rahmen für die Aktionstage fest. Zu den Aufgaben gehört auch die Kommunikation mit den Eltern.
Das pädagogische Fachpersonal ist für die direkte Betreuung der Kinder verantwortlich und moderiert die Interaktion mit den ehrenamtlichen Handwerkern.
Erfolgsfaktoren
Der Erfolg des Projekts beruht maßgeblich auf einer strukturierten Vorbereitung. Die Nutzung einer Mindmap klärt alle organisatorischen Details bereits im Vorfeld. Ein wesentlicher Faktor ist die frühzeitige Abfrage der defekten Gegenstände. So bringen die Experten bereits am Aktionstag die passenden Werkzeuge und Ersatzteile mit.
Ein weiterer entscheidender Punkt ist der Betreuungsschlüssel. Maximal drei Kinder arbeiten pro Fachkraft. Das hält die Situation überschaubar und sicher. Die Kinder sind dabei keine passiven Zuschauer. Sie erleben Selbstwirksamkeit, indem sie bei der Reparatur mitreden und auch selbst tätig werden.
Das Zusammentreffen von erfahrenen Senioren und neugierigen, offenen Kindern schafft eine besondere soziale Dynamik. Die gegenseitige Wertschätzung motiviert die Ehrenamtlichen und begeistert die Kinder gleichermaßen. Die pädagogische Einbettung spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle.
Stolpersteine
Ein häufiger Stolperstein ist die Unruhe im Raum. Zu viele Kinder gleichzeitig sorgen für einen hohen Lärmpegel und stören die Konzentration aller Beteiligten. Das kann aber durch räumliche Trennung oder zeitliche Planung leicht geregelt werden.
Auch die Sicherheit im Umgang mit Werkzeug erfordert Aufmerksamkeit. Spitze, scharfe Gegenstände oder Klebstoffe bergen Verletzungsgefahren für Kinder. Hier hilft eine konsequente pädagogische Vorbereitung. Die Erzieher weisen die Kinder vorab ein und vermitteln klare Verhaltensregeln.
Ein weiterer Stolperstein ist die mögliche Enttäuschung, wenn sich ein Spielzeug nicht mehr reparieren lässt. Dies fangen die Erzieher und Reparateure durch eine einfühlsame, empathische Begleitung und Erklärungen auf Augenhöhe auf.
Ansprechpartner
Sollten Sie Fragen zum Projekt haben, können Sie sich an folgende Ansprechpartner wenden:
Repaircafé Nieder-Olm
Jürgen Klute
Tel: 0171–2212218
E‑Mail: juergen.klute@t‑online.de
Web: www.repaircafe-vg-nieder-olm.de
Runder Tisch Reparatur
E‑Mail: Reparatur@mffki.rlp.de
Web: https://mffki.rlp.de/themen/verbraucherschutz/nachhaltiger-konsum‑1/neu/reparatur/runder-tisch-reparatur-rheinland-pfalz
Für die Redaktion des Digital-Newsletters ist die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz e. V. verantwortlich.
Der „Digital-Newsletter“ wird unterstützt von:


Teile dieses Artikels wurden auf Basis von Änderungsvorschlägen einer KI-Assistentin überarbeitet, um den Text präziser und lesefreundlicher zu gestalten.


