Westerwald – Der Verein Wäller Helfen e.V. bringt Menschen zusammen, die Unterstützung brauchen, und Menschen, die helfen wollen. Dafür nutzt der Verein mehrere Wege: eine kostenlose Hotline (0800 923 55 37), eine digitale Hilfskarte auf der Webseite, Facebook-Gruppen und eine App. Entstanden in der Corona-Pandemie, arbeitet der Verein heute als feste Anlaufstelle für Alltagshilfen und weitere soziale Projekte.

Die Pandemie als Auslöser: Wenn gewohnte Netzwerke wegbrechen
Der eigentliche Anlass für das Projekt war der Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020. Mit dem ersten Lockdown veränderte sich die Versorgungslage im ländlichen Raum schlagartig. Durch Kontaktbeschränkungen, Quarantäne-Anordnungen und die notwendige Isolation von Risikogruppen brachen die gewohnten Unterstützungsnetzwerke plötzlich weg. Kinder oder Enkel, die oft nicht im selben Ort wohnen, konnten die Versorgung ihrer Angehörigen nicht mehr wie gewohnt sicherstellen. Auch nachbarschaftliche Netzwerke funktionierten nicht mehr ohne weiteres.
Gleichzeitig zeigte sich eine Lücke in der Daseinsvorsorge: Staatliche oder kommunale Stellen konnten die kleinteilige Hilfe im Alltag – wie den Einkauf von Lebensmitteln, den Gang zur Apotheke oder das Ausführen von Haustieren – in dieser Masse und Geschwindigkeit organisatorisch nicht leisten.
Zwar war die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung groß, doch fehlte es an einem sicheren Weg, Helfende und Hilfesuchende zusammenzubringen. Es wurde deutlich, dass eine zentrale, koordinierte Struktur fehlte, die flexibel auf solche Krisen reagieren kann und dabei sowohl digital erreichbar ist als auch jene Menschen nicht vergisst, die isoliert zu Hause sitzen und keinen Zugang zum Internet haben.
Beschreibung des Projektes
Als Reaktion auf den ersten Lockdown im März 2020 entstand die Idee zu „Wäller Helfen“. Es begann als spontane Initiative, um die Versorgungslücken während der Quarantäne-Maßnahmen und Kontaktbeschränkungen zu schließen. Doch schnell wurde klar: Eine lose Vernetzung reicht bei der hohen Nachfrage und der Größe des Westerwalds nicht aus. Aus der kurzfristigen Krisenintervention wurde daher zügig ein eingetragener Verein mit Sitz in Oberroßbach gegründet, um rechtliche Sicherheit und feste Strukturen zu schaffen.
Die Aufgabe des Vereins wandelte sich mit dem Abklingen der akuten Pandemie-Phasen. Sollte zunächst vor allem die Versorgung von Risikogruppen durch Einkaufshilfen gesichert werden, etablierte sich der Verein bald als generelle Anlaufstelle für die Nöte des Alltags. Heute umfasst das Spektrum weit mehr als reine Nachbarschaftshilfe: Der Verein kümmert sich um Jugend- und Altenhilfe, führt Naturschutzprojekte durch und unterstützt sogar den Katastrophenschutz.
Das Ziel verschob sich damit von der reinen Nothilfe hin zu einer dauerhaften Verbesserung der Lebensbedingungen auf dem Land. Um diese Aufgaben langfristig und nicht nur als „Feuerwehr“ in Krisenzeiten leisten zu können, wurde die Organisation professionalisiert. Der Verein entwickelte Konzepte, um sich über Fundraising und Sponsoring finanziell selbst zu tragen und so eine verlässliche Stütze der regionalen Daseinsvorsorge zu werden.
Wie funktioniert es?
Das System basiert auf einem hybriden Ansatz, der digitale Technik mit persönlicher Erreichbarkeit verknüpft. Damit wird sichergestellt, dass alle Alters- und Bevölkerungsgruppen Zugang haben.
Für Bürgerinnen und Bürger ohne Internetzugang steht eine kostenfreie Telefonnummer (0800 923 55 37) zur Verfügung. Hier werden Hilfeersuchen persönlich entgegengenommen. Die Mitarbeiter des Vereins fungieren als Schnittstelle und vermitteln die Anfragen manuell an passende Helfer im Netzwerk weiter.
Wer digital vernetzt ist, nutzt die „digitale Hilfskarte“ auf der Webseite des Vereins. Auf dieser interaktiven Karte können Nutzerinnen und Nutzer georeferenziert sehen, wer in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft Hilfe anbietet oder benötigt. Die Kontaktaufnahme erfolgt dann direkt über die Plattform.
Zusätzlich setzt der Verein auf Schnelligkeit durch mobile Anwendungen. Über die eigene „Wäller Helfen“-App können registrierte Freiwillige per Push-Nachricht auf dem Smartphone alarmiert werden. So erreicht der Verein mit einem Klick hunderte potenzielle Helfer gleichzeitig. Ergänzend werden Facebook-Gruppen genutzt, um beispielsweise Sachspenden unkompliziert zu vermitteln („Zu Verschenken“) oder spezifische Anfragen im Netzwerk zu streuen.
Im Hintergrund ist die Organisation des Vereins ebenfalls digitalisiert. Die Verwaltungsprozesse, wie etwa die Rechnungsstellung bei Sponsoring-Aktionen, laufen weitgehend papierlos ab, um den administrativen Aufwand gering zu halten.

Auf der Webseite des Vereins „Wäller helfen“ findet man alle Hilfsangebote übersichtlich auf einer Karte. So findet man direkt die richtigen Ansprechpartner in der Nähe. In Schwarz sind dabei Institutionen wie Verbandsgemeinden und Kleiderkammern sowie Gewerbepartner dargestellt. Mit Rot werden einzelne Helfer dargestellt. Und Nachbarschaftshilfen sind grün. Fährt man über eine der Markierungen erhält man weitere Infos wie Kontaktdaten oder Hilfsangebote.
Was hat sich durch das Projekt geändert?
Die Etablierung des Vereins hat die soziale Infrastruktur im ländlichen Westerwald spürbar gestärkt. Durch die professionelle Organisation und die hohe Anzahl an vernetzten Freiwilligen können nun Aufgaben bewältigt werden, die für einzelne kleine Träger oder die Verwaltung kaum leistbar wären. So war es beispielsweise möglich, die Teilnahme von Sportlern an den Special Olympics logistisch zu unterstützen oder dem Kinderhospizdienst unter die Arme zu greifen. Die Region ist dadurch handlungsfähiger geworden.
Ein wesentlicher Unterschied zu klassischen Initiativen ist die finanzielle Stabilität. Da sich der Verein durch eigene Sponsoring-Kampagnen und Kooperationen mit der lokalen Wirtschaft finanziert, besteht keine alleinige Abhängigkeit von Spenden oder kommunalen Zuschüssen. Dies ermöglicht eine langfristige Planungssicherheit für soziale Angebote.
Zudem ist eine engere Vernetzung zwischen Wirtschaft, Naturschutz und Bevölkerung entstanden. Aktionen wie „Wir forsten auf“ zeigen, wie Fundraising direkt in die Landschaftspflege vor Ort fließen kann. Intern sorgt die konsequente Digitalisierung der Verwaltung – etwa durch papierlose Rechnungen – dafür, dass die Ressourcen effizient in die Hilfeleistung fließen, statt in bürokratischen Abläufen gebunden zu werden.
So wurde es gemacht
Ziel
Das primäre Ziel des Projektes war es, die Lebensbedingungen und die Versorgungssicherheit im ländlichen Raum zu verbessern. Es sollte eine zentrale, verlässliche Anlaufstelle für Hilfegesuche aller Art geschaffen werden, um lokale Versorgungslücken zu schließen.
Ein entscheidender Aspekt war dabei die Inklusion: Das Angebot musste so gestaltet sein, dass technisch versierte Bürger ebenso Zugang haben wie Menschen ohne Internetkenntnisse. Niemand sollte aufgrund fehlender digitaler Kompetenz ausgeschlossen werden. Zudem war es das Ziel, eine nachhaltige Struktur aufzubauen, die sich durch eigene Einnahmen finanziell trägt und nicht dauerhaft von externen Zuschüssen abhängig ist.
Vorgehen
Der Start erfolgte aus einer akuten Bedarfslage heraus während der Corona-Pandemie. Um die spontane Hilfsbereitschaft in geordnete Bahnen zu lenken, wurde die Initiative zügig in einen eingetragenen Verein mit fester Satzung überführt. Dies schuf die notwendige rechtliche Sicherheit und Verbindlichkeit.
Bei der technischen Umsetzung entschied man sich bewusst für einen dualen Weg. Einerseits wurde eine digitale Plattform (Hilfskarte und später App) entwickelt, um Technikaffine und junge Menschen schnell zu vernetzen. Andererseits wurde eine kostenlose Telefon-Hotline eingerichtet, um die Barrierefreiheit für ältere Menschen zu gewährleisten.
Parallel zum Aufbau der Hilfsstrukturen wurde ein Finanzierungskonzept entwickelt. Um nicht von Spenden abhängig zu sein, ging der Verein aktiv auf lokale Unternehmen zu. Durch Sponsoring-Partnerschaften wurden eigene Einnahmequellen erschlossen, die den laufenden Betrieb und die sozialen Projekte finanzieren. Zudem wurden Kooperationen mit den umliegenden Verbandsgemeinden geschlossen, um das Angebot in der Fläche bekannt zu machen.
Aufwand
Der dauerhafte Betrieb des Netzwerkes ist arbeitsintensiv. Zwar muss die Technik für die App und die digitale Hilfskarte regelmäßig gewartet werden, der größte Aufwand liegt jedoch im organisatorischen Bereich. Die Koordination der zahlreichen Helfer sowie die Steuerung der verschiedenen Projekte erfordern viel Zeit durch den Vorstand und die Abteilungsleiter.
Mit wachsender Größe des Vereins zeigte sich, dass die Aufgaben rein ehrenamtlich kaum noch zu bewältigen sind. Mittlerweile ist eine hauptamtliche Vollzeitstelle für die Leitung nötig. Hinzu kommt ein stetiger Aufwand für die Akquise von neuen Ehrenamtlichen, da Fachkräfte und Engagierte im ländlichen Raum aktiv gesucht werden müssen.
Verantwortliche
Die Initiative und Gründung gingen von Christian Döring und Björn Flick aus, die den Verein leiten. Sie werden operativ von einem Vorstandsteam unterstützt. Aufgrund des gewachsenen Aufgabenbereichs ist Björn Flick mittlerweile hauptamtlich in Vollzeit für die Koordination des Vereins tätig.
Wichtige Partner bei der Umsetzung sind die lokalen Unternehmen sowie die Verbandsgemeinden in den Landkreisen Westerwald und Neuwied, die als Multiplikatoren und Unterstützer fungieren.
Erfolgsfaktoren
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das Projekt ist die finanzielle Eigenständigkeit. Da der Verein eigene Sponsoring-Kampagnen entwickelt hat und mit lokalen Unternehmen kooperiert, ist er finanziell stabil und nicht allein auf Spenden oder öffentliche Fördermittel angewiesen. Dies ermöglicht eine verlässliche Planung.
Entscheidend für die Akzeptanz in der Bevölkerung ist zudem die lückenlose Erreichbarkeit. Die Kombination aus modernen digitalen Kanälen und einer klassischen Telefon-Hotline sorgt dafür, dass wirklich jede Altersgruppe Zugang zur Hilfe hat. Niemand wird aufgrund fehlender Technikkompetenz ausgeschlossen.
Wichtig war auch, dass die Hilfe schnell sichtbar wurde. Indem der Verein nicht nur im Kleinen wirkte, sondern auch große, bekannte regionale Projekte unterstützte, konnten die Bürgerinnen und Bürger den direkten Nutzen erkennen. Das stärkte das Vertrauen in die neue Struktur und motivierte weitere Freiwillige zur Teilnahme.
Stolpersteine
Eine zentrale Herausforderung im ländlichen Raum ist die dauerhafte Gewinnung von engagiertem Personal. Es ist oft schwierig, genügend Menschen zu finden, die bereit sind, langfristig Verantwortung im Verein zu übernehmen. Hier zeigte sich, dass reines Ehrenamt bei einem so großen Projekt an seine Grenzen stoßen kann. Der Verein reagierte darauf mit einer Professionalisierung und schuf eine hauptamtliche Stelle, um die Koordination verlässlich zu sichern.
Ein weiteres Hindernis waren die digitalen Hürden in der Bevölkerung. Nicht alle Bürgerinnen und Bürger trauten sich zunächst, Angebote wie die digitale Hilfskarte oder die App zu nutzen. Um diese Skepsis zu überwinden, waren viel Geduld und Aufklärungsarbeit notwendig. Gleichzeitig erwies sich das parallele Angebot der Telefon-Hotline als entscheidender Faktor, um technische Berührungsängste aufzufangen und niemanden auszuschließen, während die digitale Akzeptanz langsam wuchs.
Ansprechpartner
Sollten Sie Fragen zum Projekt haben, können Sie sich an folgende Ansprechpartner wenden:
Wäller Helfen e.V.
Björn Flick
Tel.: 0800 9235537
E‑Mail: info@waellerhelfen.de
Für die Redaktion des Digital-Newsletters ist die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz e. V. verantwortlich.
Der „Digital-Newsletter“ wird unterstützt von:


Teile dieses Artikels wurden auf Basis von Änderungsvorschlägen einer KI-Assistentin überarbeitet, um den Text präziser und lesefreundlicher zu gestalten.